Entwicklungskonzept für das Gut Hellersdorf - Zwischenbericht
4. Szenarien

 

Inhalt

4.1 Raumbezogene Zukunftsforschung im Planungsprozess
4.2 Das Szenario - Paradigma
4.3 Das Szenario - Writing
4.4 Trendszenario
4.5 Alternativ - Szenario I oder Einigkeit macht stark
4.6 Alternativ - Szenario II
4.7 Auswertung
4.8 Literaturangaben
4.9 Quellenverzeichnis

 

 

4.1. Raumbezogene Zukunftsforschung im Planungsprozess

4.1.1. Relevanz in der Planung

Gegenstand des folgenden Kapitels ist der Teil des Planungsprozesses, der vom Planer ein hohes Maß an selbstkritischer Überprüfung der eigenen Arbeit abverlangt. Es geht um die Zukunftsforschung - das systematische Beschreiben von wahrscheinlichen oder die Exploration von künftig möglichen oder beabsichtigten räumlichen Strukturen und Prozessen 67.Ergo besteht das Ziel darin, den Rahmen hinsichtlich potentieller Ereignisse und Entwicklungen aufgrund von Planungen abzustecken, um auf diese Weise Unsicherheiten und Planungsrisiken zu begrenzen. Während diese Ansprüche an die Zukunftsforschung in allen wissenschaftlichen Bereichen gelten, ist die Folgeabschätzung zukünftigen Handelns in der räumlichen Planung durch eine raumdifferenzierende Komponente geprägt.
Als idealtypische Station sollte sie in jedem Planungsprozess Berücksichtigung finden und sinnvoll in die Handlungskette integriert werden.
Das anschließende Schema zeigt in komprimierter Form, an welcher Stelle dieser Planungskette sich die Zukunftsforschung bisher als sinnvoll erwiesen hat.

Schema : "Planungskette" (Katja Ulbrich)



Grundlage der Zukunftsforschung mit dem Zweck der Abschätzung der Folgen raumorientierter Planung ist die Definition eines Planungsziels. Dies kann sowohl ein vollständiger Plan als auch eine Agglomeration verschiedener Ideen und Entwürfe sein.
Für eine aussagefähige Analyse der Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit solcher Ideensammlungen sollte sich der Planer intensiv mit den geplanten Eingriffen unter Berücksichtigung der Gegebenheiten und der Abwägung der bestehenden Probleme auseinandersetzen. Auf diese Art und Weise schafft er eine solide Basis, um in der Phase der "Zukunftsbetrachtung", die Wirkungsketten verschiedenster Ereignisse und deren Wirkungswechsel in ihrer Komplexität erfassen zu können.
Ebenso sollten die Leitbilder formuliert und hinsichtlich ihrer Relevanz und Sinnfälligkeit diskutiert werden.
Allgemein ist zur Zukunftsforschung zu erwähnen, dass sie keinesfalls an eine Planungsebene gebunden ist. Auch sollte sie nicht als in sich geschlossene Phase des jeweiligen Planungsprozesses betrachtet werden, da sie aus den anderen Phasen ständig neu Impulse erhält oder selbst Auslöser von derartigen Impulsen ist. Dies trifft ebenfalls auf das Planungsergebnis zu, welches zu einem erheblichen Teil auch von der Zukunftsprognose geprägt wird und wieder Ausgangssituation für neue Planungsansätze sein kann.

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4.1.2. Paradigmen der Zukunftsforschung

Nach der Darstellung der Bedeutung von Zukunftsforschung für die räumliche Planung werden im Folgenden die beiden Paradigmen, welche man auch als Arten bezeichnen kann, vorgestellt.

Den Begriff "Paradigma" kann man mit "Musterbeispiel" erklären. Indem hier dargestellten Zusammenhang bedeutet dies, dass es innerhalb der Art der Zukunftsforschung eine Methode oder Technik gibt, welche alle wesentlichen Attribute der ForschungsArt enthält. In der Regel ist auch der Name der Art auf die bestimmte Methode zurückzuführen.

In der Zukunftsforschung der räumlichen Planung unterscheidet man folgende Paradigmen:

Die Deskriptive Zukunftsforschung, also die beschreibende Darstellung eines Zukunftsbildes an Hand wissenschaftlicher Formulierungen ist ein primär quantitatives Verfahren. Sie stützt sich auf die systematische Auswertung aller zur Verfügung stehender Zahlen und Fakten von statistischen Erhebungen und zielt auf die Voraussage von Ereignissen durch wissenschaftliches Erklären und Beschreiben hin.
Kennzeichnend für die Ergebnisse dieser Zukunftsanalyse ist die enge Ursache - Wirkungsverknüpfung zum Erkennen und infolgedessen zum Vermeiden oder Minimieren von Problemen.
Als relevante Techniken sind die "Prognosen im engeren Sinne" und die "Trendextrapolation" (= Erkennen einer mathematischen Gesetzmäßigkeit an Hand der bisherigen Entwicklung einer Größe und derer Fortsetzung) zu nennen.

Das Szenario - Paradigma ist im Unterschied zum erst Genannten ein primär qualitatives oder argumentierendes Verfahren. Es geht in dieser Art nicht um die Auswertung einer Vielzahl von Daten, sondern um den Entwurf von Zukunftsbildern und um die anschauliche verständliche Darstellung ihrer Inhalte. Auch wenn sich die Methoden und Techniken dieses Paradigmas häufig an den Datenauswertungen von deskriptiven Prognosen orientieren, spielen nicht meßbare Größen, wie z.B. Intuition, Erfahrung, etc. eine zentrale Rolle.
Dies sei zum Szenario-Paradigma nur ein kurzer Einstieg, da es im Weiteren der Schwerpunkt anschließender Ausführungen sein wird.

Grundsätzlich stehen beide Arten der Zukunftsforschung, ihre Methoden und Techniken sowohl in gegenseitig konkurrierendem als auch ergänzendem Verhältnis.

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4.2. Das Szenario - Paradigma

4.2.1. Geschichtliche Entwicklung

Zum Verständnis der geschichtlichen Entwicklung sollte die Frage : "Wann wandte und wendet man die eine oder andere Art der Zukunftsforschung an?" im Konsens dazu geklärt werden.

Die Entwicklung der Zukunftsforschung kann man im Wesentlichen auf die vergangenen 40 Jahre festlegen.
Während in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die qualitativen Verfahren ("Deskriptive Zukunftsforschung") dominierten, erfuhren die qualitativen Verfahren ("Szenario-Paradigma") Mitte der 70er bis in die 80er Jahre einen Boom.
In Anbetracht der zeitlichen Eingrenzung sei darauf hingewiesen, dass die Dominanz des einen nicht die Anwendung des anderen ausschloß oder ausschließt. Der Prozess vollzog sich vielmehr allmählich. Wie bereits angedeutet bestand vielfach ein unterstützendes oder ergänzendes Verhältnis zwischen den Methoden der Zukunftsanalyse. Wie die Prioritäten gesetzt wurden und werden, ist in jedem Fall eine Frage der Auffassungen der jeweiligen Zeit.
Die Ursachen für den Prioritätenwechsel in den 60er und 70er Jahren sind zum einen im Wechsel des Wissenschaft - Praxis - Zusammenhangs zu suchen. Dieser hatte seinen Ursprung in der zunehmenden Unsicherheit über die "Exaktheit" oder "Fehlerfreiheit" der strikt gerechneten Prognosen. Daraus folgte die Einsicht, dass die betrachteten Objekte (insbesondere in der Raumplanung) und Probleme zu komplex waren, als dass sie nur an Hand von "durchmathematisierten" Prognosemodellen erklärt werden konnten.

Auch Veränderungen in der Wissenschaftstheorie, die hauptsächlich durch eine unterschwellige Gegenbewegung im wissenschaftsphilosophischen Bereich entstanden und die sich gegen die Mythologie der Methodologie aussprach, welche zunehmend zu Lasten des Entdeckungszusammenhangs und der Erkenntnisfunktion in den Vorder - grund gerückt war.

Neben den veränderten Auffassungen im wissenschaftlichen Bereich wandelte sich allgemein das Bewußtsein. Die Erkenntnis der Vergänglichkeit natürlicher Ressourcen, deren Zukunft von den gegenwärtigen Maßnahmen und Entwicklungen abzuhängen schien, schürte die Einsicht, dass die Zukunft gestern entschieden wurde und heute entschieden wird.

Insgesamt zeichnete sich zunehmend die Notwendigkeit flexibler anwendbarer Techniken in Anbetracht der wachsenden Unsicherheit über die Entwicklungen und steigenden Verflechtungen sozialer und wirtschaftlicher Systeme ab.

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4.2.2. Methoden und Techniken des Szenario - Paradigmas

Die Methoden und Techniken des Szenario - Paradigmas lassen sich in 3 Gruppen einteilen.
Der Begriff "Methode" bezeichnet eine übergeordnete methodologische Kategorie, in welcher grundsätzliche Unterschiede zum Ausdruck kommen.
Die "Technik" hingegen ist ein weniger spezifisches und komplexes Hilfsmittel, dass im Bereich verschiedener Methoden Anwendung findet.
Obwohl der Literatur keine eindeutige Abgrenzung entnommen werden konnte, wird in der folgenden Auflistung der Unterschied zwischen Methode und Technik offensichtlich. Unabhängig von diesen Ausführungen werden beide Begriffe in verschiedenen Zusammenhängen abwechseln angewandt.

Die besagten Gruppen der qualifizieren- den Verfahren lassen sich wie folgt definieren :

  • Abschätzen einzelner künftig möglicher oder wahrscheinlicher Ereignisse durch Verdichtung von Expertenmeinungen =>Techniken : Brainstorming (= Sammeln von Fakten zu einem bestimmten Problem mit Ziel der maximalen Ideenvielfalt unter Ausnutzung des Synergieeffekts der Gruppe), Delphie-Verfahren (= systematische Erfassung mehrerer Expertenmeinungen unter Vermeidung der Gruppendynamik)
  • Abstecken des Eintritts von Ereignissen und deren gegenseitige Beeinflussung im voraus =>Techniken : Cross-Impact-Analyse (= paarweiser Vergleich und Analyse kausaler Wechselbeziehungen durch Gegenüberstellung von Ereignissen), Szenario-Writing ( wird im weiteren erläutert).
  • Ermitteln der Zusammengehörigkeit verschiedener Entwicklungskomponenten =>Techniken : Morphologische Analyse (= Zusammenfassen künftiger möglicher Ereignisse zur systematischen Kombination und Darstellung alternativer Zukünfte und Suche nach sinnvollen Lauflinien), Relevanzbaumverfahren (= ähnlich wie die morphologische Analyse, aber die morphologischen Elemente wiederholen sich an verschiedenen Stellen, die gewünschte Kombination wird herausgefiltert).

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4.2.3. Aufgaben des Szenario - Paradigmas

Aus den drei verschiedenen Gruppen und den aufgeführten Techniken lassen sich folgende Aufgaben ableiten :

  • Erheben und Auswerten von Expertenwissen
  • Erkennen und Kennzeichnen von Veränderungsprozessen und drohenden Gefahren
  • Entwickeln und Prüfen von Mitteln zur Lösung oder Bekämpfung.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass die qualitative Zukunftsforschung im Wesentlichen der Abschätzung der Auswirkungen räumlicher Planungen und deren Steuerung durch geeignete Mittel unter Berücksichtigung statistischer Erhebungen und darüber hinaus gehenden subjektiven Größen, wie z.B. Kreativität, persönliche Erfahrungen, Phantasie, etc. dient.
Die Technik des Szenario-Writings beinhaltet eine Vielzahl von typischen Merkmalen der qualitativen Zukunftsforschung und soll aufgrund dieser zentralen Rolle näher beleuchtet werden.

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4.3. Das Szenario-Writing

4.3.1. Wesen und Aufgabe

Bei der Beschreibung des Wesens und der Aufgaben des Szenario-Writings lassen sich bereits aufgeführte Eigenschaften und Aufgaben des gleichnamigen Paradigmas nicht nur erkennen sondern auch konkretisieren.

Prinzipiell werden bei dieser Methode des qualitativen Vorgehens verschiedene in sich wiederspruchsfreie Bilder der Zukunft simuliert, in dem fiktiv besondere Bedingungen für eintretende Ereignisse geschaffen werden.
Es wird beabsichtigt, auf diese Weise komplexe Entwicklungen darzustellen, um wichtige Einflussgrößen und Beziehungsmuster erkennen zu können.
Es werden Entwicklungsmöglichkeiten abgesteckt, um auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren zu können.
Die Vorgaben solcher Szenarien ergeben sich häufig aus Prognosen oder anderen Teilszenarien. Außerdem werden wie bereits angesprochen nicht nur zahlenmäßig erfaßbare Größen angesetzt, so dass dieses Verfahren in hohem Masse die Kreativität und das Denken in Alternativen fördert. Dies äußert sich auch in der meist sehr bildhaften und vor allem sprachlichen Darstellung der Inhalte. Das Ziel solcher Szenarien ist es, mögliche Schaltstellen zum Steuern von Prozessen und Strategieansätze zu ermitteln.

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4.3.2. Konstitutive Elemente

Der Charakter eines Szenarios wird zu einem großen Teil auch durch die grundlegenden Bestandteile geprägt.
Im Folgenden werden diese charakteristischen Elemente aufgeführt :

  • Definierter Zeitraum
  • Entwicklungsperioden
  • damit einhergehende Zwischenbilder
  • Ausgangs- und Endbild
  • Räumliche Bezugsraster zur Festlegung des betrachteten Raumes
  • Begründete Auswahl der Wirkungsfelder - "Indikatoren"
  • Wirkungskettenanalysen
  • Präszenarien als Rahmenbedingungen für die Entwicklung
  • Insbesondere beim Kontrastszenario -Dekomposition eines Zukunftsbildes

Die genannten Komponenten sind nicht in vollständiger Form bei jedem Szenario zu finden, sollten jedoch den Rahmen bilden.

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4.3.3. Formen und Vorgehensweisen bei Szenarien

Im Abschluss der allgemeinen Vorstellung von Szenarien werden die verschiedenen Formen ihres Schreibens präsentiert.
Die Vielzahl von Szenario-Formen entspricht der Komplexität der raumbezogenen Zukunftsforschung in qualitativer Weise. Dennoch kann man eine Einteilung insofern vornehmen, dass man von "explorativen" (untersuchend, erforschend) und "normativen" (Maßnahmen orientiert) Szenarien spricht. Den genannten Gruppen lassen sich darüber hinaus folgende Szenario-Formen explizit zuordnen.

Explorativ :

  • Trendszenario - Im Ergebnis stehen Aussagen über wahrscheinliche Entwicklungen. Es bestehen Ähnlichkeiten zu den Prognosen, die Darstellung des Zustandekommens der Ereignisse ist jedoch anschaulicher und inhaltlich komplexer.
  • Alternativszenario - Im Mittelpunkt steht die Frage "Was passiert, wenn...?". Es werden alternative Entwicklungen dargestellt, die als Präszenarien für weitere Zukunfts- betrachtungen fungieren können, um die Entwicklungspfade mit der größt- möglichen Plausibilität zu diskutieren.
  • Status-Quo-Szenario - Es wird der Zustand eruiert, welcher eintreten würde, wenn sich Strukturen und Änderungen der Einflussgrößen in der bisher zu beobachtenden Art und Stetigkeit fortsetzen würden.

Normativ :

  • Kontrastszenario - Im Anfang steht ein Zielbild zur optimalen Raumstruktur, welches im Gegensatz zur tatsächlichen Struktur und dem Strukturbild, welches sich nach Durchlaufen eines Trendszenarios ergeben würde, steht. Dieses Zielbild wird zerlegt, um in dem Szenario schrittweise wieder zusammengefügt zu werden.
  • Strategieszenario - Diese Form dient dem Ermitteln von instrumentellen und raumpolitischen Bedingungen zum Abwenden negativer Entwicklungen. Gleichzeitig wird die Realisierbarkeit verdeutlicht, indem man Einflussgrößen und Instrumente auf Machbarkeit prüft und ggf. anpasst.

Das Schema zeigt die am häufigsten eingesetzten Szeanrio-Formen und deren zustande kommen.

Schema : "Vorherrschende Szenario - Arten und deren Komponenten"

Quelle : Ritter/Wolf , "Methoden und Instrumente räumlicher
Planung"

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In den anschließenden Abschnitten werden Beispiele für Szenarien im Zusammenhang mit der Entwicklung des
Gutes in Hellersdorf vorgestellt. Es handelt sich dabei um ein Trendszenario und zwei Alternativszenarien.

Dazu sei noch einmal an die Bestand - teile eines Szenarios erinnert.
Die Ausarbeitung der aufgeführten Beispiele berücksichtigte die Elemente wie folgt :

  • Definierter Zeitraum - 20 Jahre
  • Entwicklungsperioden - 2001-2005/ 2006-2010/ 2011-2020
  • damit einhergehende Zwischenbilder entstehen im Szenario
  • Ausgangs- und Endbild - entstehen im Szenario
  • Räumliche Bezugsraster zur Festlegung des betrachteten Raumes - Gut und nähere Umgebung
  • Begründete Auswahl der Wirkungsfelder - "Indikatoren" - Bevölkerung und Kapital
  • Wirkungskettenanalysen - Entwicklung der Bevölkerung und Strukturen infolge veränderter Kapitaleinsätze
  • Präszenarien als Rahmenbedingungen für die Entwicklung
  • Insbesondere beim Kontrastszenario - Dekomposition eines Zukunftsbildes

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4.4.Trendszenario

4.4.1. 2001-2005

Das hier aufbereitete Szenario geht davon aus, dass der derzeitige Zustand fortgesetzt wird. Investitionen ins Gut sind nicht zu erwarten, die Bevölkerungszahl nimmt weiterhin gering ab, obwohl durch weiterlaufende Förderungen das Wohnumfeld auch in den folgenden Jahren saniert und entwickelt werden kann. Das Gut Hellersdorf wird vom Bezirksamt verwaltet, die nähere Zukunft bleibt unklar. Es steht jedoch fest, dass sich zumindest kurzfristig keine Investoren finden, die an dem vom Bezirksamt erarbeiteten Projekt Interesse zeigen. Eine große Hürde stellt dabei vor allem der Grundstückpreis dar, der bei dem derzeitigen Zustand des Gutes zu hoch angesetzt ist. Man geht jedoch davon aus, dass mittelfristig ein Investor gefunden wird, weil die Gutslage durch die positive Entwicklung der ganzen Siedlung zu einem modernen Stadtteil attraktiver wird.
Inzwischen gründen die derzeitigen Mieter des Gutshofes nach fast einem Jahr von Streitereien und Uneinigkeiten über erforderliche Maßnahmen und Finanzierungskonzepte eine Gemeinschaft, die zukünftig ihre Interessen gegenüber dem Bezirksamt vertreten soll. Es wird ein Rechtsanwalt pauschal engagiert, ein Vorsitzender aus den Reihen der Mieter gewählt und die Ziele schriftlich festgesetzt. Das Bezirksamt verhält sich zunächst neutral und wartet ab, ob die Einigung der Mieter Probleme bei der Verlängerung der Mietverträge am Ende des Jahres bringt. Es entfaltet sich ein Konflikt, wobei die Mieter langfristige Verträge verlangen und einen Willen zum Investieren zeigen. Im darauffolgenden Jahr erarbeitet die Gemeinschaft der Mieter ein Investitionskonzept, in dem die Entwicklung des Geländes zu einem Kleingewerbekomplex vorgeschlagen wird. Aus finanziellen und anderen Gründen wird dieses Investitionsvorhaben beim Bezirk abgelehnt. Die Investoren bieten weniger Geld und wollen zudem nur einen Teil der Fläche kaufen. Die denkmalgeschützten Gebäude und Grundstücke im nördlichen Teil fallen nicht darunter. Die KGA unterstützt diesen Plan, da für sie Entwicklungsfläche entstehen würde, möchte diese jedoch nur mieten. Nach weiteren Verhandlungen mit dem Bezirksamt entsteht in der Mietergemeinschaft eine Art Selbstverwaltung, so dass nur noch ein Mietvertrag mit dem Bezirksamt abgeschlossen wird. Die Laufzeit des Vertrages wird verdoppelt.
Für das Bezirksamt wird die Verwaltung des Gebietes einfacher. Durch die Selbstverwaltung kommt es zu einer mäßigen Konjunktur, das Verkehrs- aufkommen in Alt-Hellersdorf nimmt zu, folglich auch Proteste der Anwohner. Es kommt zur Sicherung einiger Arbeitsplätze, es gelingt jedoch nicht, eine funktionelle Anbindung des Gutes an die Siedlung herzustellen. Zwar werden in der Hälfte des ersten Jahrzehntes die geplanten Fuss- und Radwege vor allem in der Achse U-Bhf Cottbusser Platz - Eiche realisiert und um die Gutsgrenze eine Begrünung vorgenommen. Der immer schlechter werdende Zustand der Gebäude erlaubt jedoch kaum noch eine Umnutzung in Freizeiteinrichtungen, die so dringend gebraucht werden. Nur einzeln und kurzfristig werden die leerstehenden denkmalgeschützten Gebäude vermietet, investiert wird bis auf eine Ausnahme nicht.
Das Bezirksamt versucht Interesse unter den Einwohnern zu wecken, indem kulturelle Aktionen wie Ausstellungen im Sommer angeboten werden, jedoch ohne großen Erfolg. Der Bezirk investiert in die notwendigsten Reparaturen der alten Gebäude. Bei der Untersuchung stellt sich jedoch heraus, dass der Zustand der Gebäude zum Teil auch durch unerlaubtes Umnutzen der Mieter erheblich desolater ist als zuvor angenommen. Man überlegt deshalb diese Gebäude getrennt zu behandeln. Im darauffolgenden Jahr werden sie zum Kauf angeboten. Ähnliches passiert mit den ehemaligen Kita-Gebäuden, deren Zustand sich nicht verbessert hat und deren Lage unattraktiv wird, wobei durch die Entwicklung der angesiedelten Firmen die Prosperierenden in die Helle Mitte ziehen und nur die Anspruchsloseren bleiben. Bei den leerstehenden Kitas nordöstlich des Gutes geht der Verkauf der Grundstücke auch nach einer Grundstückspreissenkung nicht schneller voran, da der Zustand der Gebäude nach Abriss ruft und wegen der Lage des ganzen Immobilienmarktes die belastete Fläche nicht attraktiv ist. Deshalb werden aus Abrissmitteln die freistehenden Kitas gesprengt. Für den Bezirk sind allerdings die mit dem Gut verbundenen Kosten zu hoch und es wird eine Analyse vorgenommen, deren Ergebnis ein Vorschlag zur Grundstückpreissenkung von 600,-DM/qm auf die Hälfte ist, was allerdings nur die Kosten eventueller Entsiegelung abdecken würde.

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4.4.2. 2005-2010

Im Herbst werden die Hellersdorfer Bürger auf das Problem aufmerksam, als eines von spielenden Kindern auf dem Gelände in einem mit Wasser gefüllten Silo ertrinkt. Das Bezirksamt saniert mit der Mietergemeinschaft den Zaun, was weitere Kosten bedeutet. Bei der Gelegenheit möchte das Gewerbe seine Grenzen ausdehnen, es wird festgestellt, dass die vermietete Fläche illegal bebaut wurde und weil dieser Fall aufgrund des Kindertodes medialisiert wird, erhebt sich eine Welle von Protesten unter den Einwohnern. Sie verlangen die Einstellung wirtschaftlicher Aktivitäten im Gutsbereich und eine Umgestaltung in einen Park, rekonstruiert sollen lediglich die denkmalgeschützten Gebäude werden. Das Thema wird politisiert, es stellt sich heraus, dass hinter der Medialisierung politische Ambitionen stecken. Der Prozess ist jedoch schon im Verlauf und die Parkumnutzung wird zum Wahlprogramm. Die Gegner argumentieren mit Geldverschwendung, da nach fast 20 Jahren der kontinuierlichen Begrünung kein Bedarf an Grün besteht. Gegner sind das Gewerbe und die KGA, sowie einige Stadtplaner.
Nach den Wahlen wird ein Architekturwettbewerb veranstaltet und das Siegerprojekt als Grundlage der Umnutzung verabschiedet.
Es ändert sich jedoch wenig, da es an Geld mangelt. So werden nur die bisher brachliegenden Flächen nach und nach entsiegelt und begrünt, das Gewerbe bleibt jedoch sowie die KGA ("politische Lösung"). Nach 2007 verbessert sich das Fuss- und Radwegenetz. Es wird u.a. im Rahmen der Bekämpfung von Fremdenhass mehr eine Sozialkampagne durchgeführt, bei der jedoch hauptsächlich vorhandene Potenziale ausgenutzt werden sollen.

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4.4.3. 2011 - 2020

Da sich die Gesellschaft im Laufe der Zeit immer mehr auf Dienstleistungen konzentriert und auch die Einwohner besser verdienen, ist das Angebot des kleinen Gewerbes nicht mehr effektiv und die Mietergemeinschaft schrumpft. Letztendlich bleiben nur ein paar der ursprünglichen Mieter, die Gemeinschaft versucht zu überleben und bietet privaten Personen Räumlichkeiten für Hobbybastler und zum Parken an. Die denkmalgeschützten Gebäude werden teilweise vermietet, teilweise stehen sie leer, wegen des Denkmalschutzes wird in die notwendigste Erhaltung investiert. Sie werden oft zu Zielen von Vandalismus. Durch ein neues Management gelingt es letztendlich sie zu vermieten. Am Rande des Parks entstehen ein Restaurant und Jugendclub. Das Restaurant ist zwar sehr gut geführt, wegen seiner Abgelegenheit im Niemandsland zwischen Alt-Hellersdorf, das immer mehr am Abend besucht wird, und der Hellen Mitte, erlebt es jedoch nur mäs- sige Konjunktur, zumal sich am Abend die Jugend am Rande des Parks zwischen Gewerbescheunen und KGA breit macht. Die Idylle des nächtlichen Lebens dauert nur solange, bis sich ins Dunkel der Umgebung Risiko-Aktivitäten verlagern. Das Gebiet um die alten Scheunen gilt nachts als gefährlich, derJugendclub wird nach einem Sommer geschlossen.
Im Jahre 2015 kommt es nach Ende der Übergangszeit nach der Erweiterung der EU zur zeitweiligen Belebung des Wohnungsmarktes. Ein Investor plant Neubauwohnungen entlang der Kastanienallee (nach den für den Wohnungsbau schlanken Jahren darf man vorerst nicht außerhalb der Stadt bauen), und das Gut wird ihm dabei mehr oder weniger als Bedingung aufgezwungen. In der zweiten Phase sollen auch dort Menschen wohnen. Der Bezirk freut sich über diesen so lange schon ersehnten Investor. Gezählt wird jedoch nur leise, denn die letzten 15 Jahren kosteten das Amt viel mehr, als man sich vom Investor zurückholen konnte. Was er an "Barem" zahlt, reicht zur Entsiegelung und Begrünung der restlichen Flächen.

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Endbild

Um das Jahr 2020 befinden sich die Gebäude des alten Gutshofes in Umbau zu Wohnungen á la Potsdamer Holländisches Viertel, jedoch mit wenig Kulturleben, da keine funktionalen Verbindung mit der Hellen Mitte und Alt-Hellersdorf, die sich beide voneinander unabhängig zu Einkaufs- und Kneipen- Alternativ-Vierteln entwickelt haben, ge - schaffen wurde. Der Gutshof wird nach dem Vorbild von skandinavischen Kleinsiedlungen umgestaltet und auch Alt-Marzahn wird zu einem eigenständigen museumsartigen Block. Die KGA verzeichnet einen leichten Rückgang ihrer Mitglieder, was den Rückbau der Versiegelung ermöglicht. Teilweise werden die Grundstücke verbunden und zu Baugrund erklärt (zw. Alt-Hellersdorf u. dem Gut). Die Mietergemeinschaft gibt langsam das Gewerbe auf und stellt für Handwerker und Hobbybastler ihre Kapazitäten zur Verfügung.
Sie siedelt weiter in die Mitte des Gutsgebietes. Rund um den Gutshof, die Kleingärten und das Gewerbe erstreckt sich Richtung Osten eine ausreichend durchwegte Parkanlage. An der Kastanienallee stehen neue Wohnhäuser mit zwei Geschossen und Dachbegrünung, am Havelländer Ring entsteht eine neue Kita. Im südlichen Teil verläuft entlang des Grabens an der Grenze zum Gewerbe eine Verbindung von der Hellen Mitte nach Alt-Hellersdorf. Das Gebiet ist aufgeräumt, grün und schön. Die Nutzung ist jedoch nicht ausgewogen und ohne funktionale Logik. Die Helle Mitte und Alt-Hellersdorf sind weiterhin voneinander abgeschnitten. Im Gegensatz zum räumlichen hat ein funktionales Zusammenwachsen des Gebietes mit der Siedlung aufgrund einer ungeordnerten Entwicklung nicht stattgefunden.

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4.5.Alternativ - Szenario I oder Einigkeit macht stark

4.5.1. 2001-2005 - Probleme über Probleme

Die Ausgangsbedingungen für die Großsiedlung im ehemaligen Bezirk Hellersdorf sieht am Anfang des neuen Jahrtausends alles andere als "rosig" aus, denn nachdem in den vergangenen Jahren Fördergelder in Millionenhöhe des Landes Berlin und des Bundes in die Großsiedlung geflossen sind, sollen nun vorerst keine weiteren Fördergelder mehr bereitgestellt werden. "Das Land Berlin wolle sich nunmehr auf andere Schwerpunkte wie die Neugestaltung des Zentrums West konzentrieren.", heißt es in Senatskreisen und vor allem Eberhardt Diepgen steht für eine Gleichbehandlung der beiden Stadthälften mehr als zehn Jahre nach der Wende.
Auch die Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf (WoGeHe) will nach Jahren intensivster Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen keine weiteren Kredite mehr aufnehmen und hofft, dass die geleistete Arbeit jetzt Eigendynamik entwickelt und sich die Bevölkerungsentwicklung in der Großsiedlung konsolidiert.
Das Gut Hellersdorf - das ja vor allem kurz vor dem Millennium ein Schwerpunkt stadtplanerischer Arbeit in Hellersdorf war, verliert zudem durch die Bezirksreform mehr und mehr an stadtpolitischer Relevanz. Vielmehr konzentriert man sich jetzt auf neue Probleme, wie das fehlende Zentrum vom früheren Bezirk Mahrzahn.
Im gleichen Zeitraum weist die Gemeinde Tassdorf - ca. 10 km östlich von Hellersdorf - auf einer ehemaligen Schafsweide einen Wohnpark mit Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften aus. Dieser Wohnpark liegt sowohl nahe dem Einkaufszentrum Eiche als auch nahe dem Autobahnkreuz Berlin-Hellersdorf und verspricht "Wohnen im Grünen zu günstigen Preisen".

Die Untätigkeit auf der einen Seite und das günstige Angebot auf der anderen Seite bleibt nicht ohne Wirkung auf die Großsiedlung. So zieht es gerade Familien mit Kindern raus ins Grüne, was ein starken Bevölkerungsverlust Hellersdorfs innerhalb weniger Jahre bewirkt. Besonders betroffen vom Wegzug sind dabei Erdgeschoßwohnungen und Wohnungen in der Nähe und mit Blick auf das Gut Hellersdorf, denn dieses Gebiet ist bereits von weiten als verkommenes Areal zu erkennen. Berge von Gerümpel, alten Fahrädern, Reifen und baufällige Baracken ragen hinter dem Zaun hervor. Drum herum sieht es im Grunde nicht anders aus, leerstehende baufällige Kitaruinen vor deren Betreten mit Schildern gewarnt wird, ein vom Vandalismus gezeichneter Spielplatz und seit einiger Zeit mußten auch zwei Schulgebäude in unmittelbarer Nähe schließen.
Auf dem Gut wurde seit Jahren nichts gemacht. Nicht, dass keiner der ansässigen Betriebe hier investieren will, aber wer steckt schon gerne Geld in einen Betrieb, dessen Grundstück immer nur für ein oder zwei Jahre vermietet wird?! Außerdem blieben auch die Wegzüge vieler Hellersdorfer nicht ohne Folgen auf die Gewerbetreibenden, denn die Nachfrage ging merklich zurück. So haben um 2005 bereits einige Firmen auf dem Gelände entweder Konkurs angemeldet oder woanders im Stadtgebiet investiert. Die Folge sind immer mehr leerstehende Gebäude vor allem in den südlichen Bereichen des Gutes, die so natürlich dem Verfall mehr denn je preisgegeben sind.

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4.5.2. 2006-2010 - Das Licht am Ende des Tunnels

Die Situation scheint also aussichtslos. Einzig die Senfte 10 im Süden des Gebiets bildet eine Art Ankerpunkt einer desillusionierten Jugendkultur. Doch Notsituationen schweißen ja bekanntlich zusammen. Getreu dem Motto "Einigkeit macht stark" schließt sich der Kids&Co e.V., der die Senfte 10 betreibt, mit dem Förderverein für Jugend und Sozialarbeit e.V. und dem Verein "Jugendwerk Aufbau Ost e.V." zum "Verein Neues Leben für Hellersdorf" zusammen. Ihr Ziel ist es, ihre Mittel zu bündeln und langfristig ein leerstehendes Scheunengebäude im südlichen Bereich des Gutes als Veranstaltungsort für Konzerte, Parties und alternative Rockdiskos umzunutzen. "Mit etwas Phantasie", sagen sie, "könnte man auch gut Open Air Parties auf dem historischen Gutsgelände abhalten." Sie sind überzeugt davon, dass gerade in Problemgebieten die Etablierung solch einer Location möglich ist. Es bestehen zum Beispiel schon Kontakte zur Jugendkulturfabrik aus Brandenburg/Havel, die es ebenfalls vor Jahren geschafft hat, in mitten einer Wüstenlandschaft ein erfolgreiches Konzerthaus aufzubauen. Junge Leute sind diesbezüglich ja auch recht anspruchslos. Allerdings sind für das Vorhaben eine Vielzahl teurer Sanierungs- und Erschließungsmaßnahmen, wie zum Beispiel neue Elektro-, Wasser- und Gasleitungen oder umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen notwendig, für die man zumindest im Moment auf Zuschüsse des Bezirks angewiesen wäre. Der jedoch hält das Vorhaben im Hinblick auf die gegenwärtige demographische Entwicklung für nicht tragfähig - sehr zur Freunde der Gewerbetreibenden im Gut, die dem Vorhaben natürlich sehr kritisch entgegen stehen.
Die Arbeit des Vereins muß sich also zumindest vorerst noch um "ganz normale" Jugendarbeit kümmern. Sie initiieren aber zusammen mit einigen engagierten Mitarbeitern des Stadtplanungsamtes ein Bürgerfest auf dem Gutsgelände. Dieses Fest kombiniert geschickt Party mit Information. So gibt es neben reichlich Bier auch Tonwaren der nahegelegenen Töpferei und Informationen rund ums Gut. In der Folgezeit wird der Verein zu einem Aktivposten im Bezirk und schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das zum Teil auch auf die Bürger umschlägt. Als glücklicher Zufall stellt sich dabei heraus, dass in den Reihen des Vereins ein Stadtplanungsstudent des ISR vertreten ist, der durch eine wissenschaftliche Hausarbeit eine Professorin für Denkmalpflege, die Mitglied des deutschen Nationalkomitees des ICOMOS (National Council Of Monuments and Sites) ist, auf das Gut aufmerksam macht. Damit wird das Gut in wissenschaftlichen Kreisen thematisiert und es gelingt, die Mitglieder des ICOMOS zu einer Tagung in Hellersdorf über die Zukunft dieses Geländes zu bewegen. Im Ergebnis wird in den Folgemonaten zusammen mit dem Verein ein Nutzungskonzept entwickelt, das die Scheune zu einem sich selbst tragenden Konzerthaus und Freizeittreff denkmalgerecht umfunktionieren soll. Dabei werden die Gewerbetreibenden mit einbezogen. Sie sind anfangs zwar gegen das Projekt, müssen allerdings nach reichlich Überzeugungsarbeit erkennen, dass ihre Lobby nicht stark genug ist. Außerdem versichert ihnen der Verein, sie durch dieses Projekt nicht vertreiben zu wollen.
Realisiert werden soll das Projekt mit einer großzügigen Spende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und durch Mittel des Bezirks, der jetzt medienwirksam versucht auf den fahrenden Zug mit aufzuspringen.
Außerdem sollen und wollen die Mitglieder des Vereins einen beträchtlichen Teil in Eigenarbeit leisten, denn viele der Mitglieder haben eine handwerkliche Ausbildung. Das Projekt soll bis 2010 umgesetzt werden.

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Bild : Nico Schiemann bei der Arbeit



Bild : Ronny Birnbaum schafft Baufreiheit

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4.5.3. 2011-2020 - Die Entwicklung eines Neuen Zentrums

Am 1.6.2010 ist es endlich soweit! Pünktlich wie die deutsche Post ist das alte Scheunengebäude zu einer urigen Konzertlocation umfunktioniert worden. Am Tag der Eröffnung strömen Hunderte vorwiegend junger Hellersdorfer in das Gutsgelände und feiern zu moderaten Preisen.

Bild : Der Tag der Eröffnung


Indes hat der Bezirk seine letzten Hoffnungen begraben, dass Gut an einen Großinvestor verkaufen zu können beziehungsweise es durch ein übergeordnetes Konzept zu entwickeln, denn durch die Konzertscheune ist ja bereits ein wichtiger Teil des Geländes umgenutzt. Deshalb macht es auch keinen Sinn mehr, den Gewerbetreibenden langfristigere Mietverträge zu verwehren. Der Bezirk ist also nun bereit, vor allem die Grundstücke im nordöstlichen Teil des Geländes an nicht wesentlich störende Gewerbebetriebe langfristig zu vermieten, unter der Bedingung, dass jene Gewerbetreibende ihre Gebäude vor allem städtebaulich und erschliessungstechnisch auf Vordermann bringen. Diese fordern wiederum im Gegenzug, dass der Bezirk die infrastrukturelle Anbindung der Betriebe ausbaut.
Es sollen vor allem die Fussverbindungen ins Wohngebiet verbessert werden, da sich von hier ein Großteil der Nachfrage speist. Die früheren Ängste und Vorbehalte dieser Gewerbetreibenden gegenüber der Konzertscheune bestätgen sich im Übrigen nicht, da sich die verschiedenen Nutzungen schon allein zeitlich aus dem Wege gehen. So wird in den Betrieben vor allem von morgens bis in den späten Nachmittag hinein gearbeitet, während die Konzertscheune erst gegen Abend und vor allem am Wochenende zu Konzerten und sich vom Einheitsbrei abhebenden Diskos einlädt.
Wer gegen 2015 das Gebiet betritt, sieht wie ein langer Atem Berge versetzen kann. Das Gebiet ist fussläufig bequem zu erreichen und die meisten Gewerbetreibenden haben ihre Gebäude saniert und ausgebaut. Die Konzertscheune trägt sich selber, ist über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt und wird in einem Atemzug mit dem Razzle Dazzle, dem Pfefferberg oder dem Lindenpark in Potsdam genannt. Direkt daneben hat ein Jungunternehmer ein zweites Haus im Gut gekauft und baut dieses denkmalgerecht zu einem urigen Pub um.
Aufgrund der verhältnismäßig geringen Mieten in der Umgebung des Gutes (es wurde ja hier schon ewig nichts mehr gemacht) und des sich entwickelnden Lebens auf dem Gut zieht es immer mehr Studenten aus den versnobten und teuren Stadtbezirken Friedrichshain und Prenzlauerberg in die Gegend um das Gut, das dadurch insgesamt eine deutliche Aufwertung erfährt. Aufgrund dessen zieht der "Regionalmarkt" von der Hellen Mitte in das Gutsgelände und etabliert dort sein Angebot frischer Produkte aus der Region in zwei stilecht hergerichteten Häusern des Gutsgeländes. Dadurch entwickelt sich das Gut Hellersdorf langsam zum historisch gewachsenen Identifikationspunkt der Großsiedlung Hellersdorf mit einer einzigartigen Nutzungsmischung, der dem eher künstlich geschaffenen und durchgeplanten Zentrum Helle Mitte mehr und mehr den Rang abläuft.

Anfang der 20er Jahre ist das Gutsgelände also der Wachstumspunkt in der Großsiedlung. Dafür hat das Stadtplanungsamt nun ein neues Problem: die Helle Mitte. "Wie man es macht ist es falsch", so ein frustrierter Stadtplaner. Vielleicht bringt ja ein Studienprojekt der TU Berlin namens "Entwicklungskonzept für die Helle Mitte" neue Ideen?????

Bild : Ein verzweifelter Stadtplaner

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4.6.Alternativ - Szenario II

4.6.1 2001-2005 Aufschwung in Hellersdorf

Der Start ins neue Jahrtausend verläuft für den Bezirk Hellersdorf äußerst vielversprechend. Die in den letzten zehn Jahren getätigten Investitionen tragen Früchte. Der befürchtete Wegzug vieler Hellersdorfer aus der Großsiedlung ist ausgeblieben. Die sanierten Wohnungen und das Wohnumfeld mit den vielen Grünflächen wird gelobt und auch mit den Einkaufsmöglichkeiten ist man zufrieden. Bei den Einrichtungen der sozialen Infrastruktur und im kulturellen Bereich werden zwar noch Verbesserungsmöglichkeiten ausgemacht, doch im Großen und Ganzen sind die Einwohner mit ihrem Viertel zufrieden. Eine Anwohnerin dazu: "Is doch dufte hier, unser Haus ham se schick jemacht, is immer ´n Parkplatz für unser Auto da und mit de Nachbarn versteh ick mir ooch jut. Also, ick will hier nich` weg".
Neben der positiven Einschätzung durch die Einwohner, kommt auch von anderer Seite große Resonanz. Planungsämter aus vielen Städten der neuen Bundesländer melden sich in Hellersdorf und suchen Ratschläge für die Entwicklung ihrer eigenen Großsiedlungen. Selbst das einst fast vergessene Internetforum "Helliwood" kann sich vor Diskussionsbeiträgen kaum noch retten.

Daraufhin beschließen das Bezirksamt und der Berliner Senat, Hellersdorf zu einer "Großsiedlung mit Modellcharakter" zu machen. Die vielbeachtete Entwicklung Hellersdorfs soll auch Berlin zu noch mehr Aufmerksamkeit verhelfen.
Die Sanierung der Wohngebäude wird mit großem finanziellen Aufwand weiter vorangetrieben. Neben der Grundinstandsetzung kommt es vermehrt auch zu luxuriöseren Modernisierungen. Fahrstühle auf dem modernsten Stand der Technik, großzügig begrünte Dachterrassen und zusätzlich eingebaute Kamine sind keine Seltenheit. Durch Wohnungszusammenlegungen sind nun auch individuelle Wohnungszuschnitte möglich.
Doch auch im Wohnumfeld wird in grossem Umfang investiert. Der Straßenzustand und die Parkmöglichkeiten werden verbessert, weitere Begrünungen erfolgen und der Mangel an Spiel- und Sportplätzen wird ausgeglichen. Diese Investitionen verhelfen auch dem Einzelhandel zu neuer Blüte. Ein ausgewogener Mix zwischen Läden aus der Umgebung mit Waren des täglichen Bedarfs und internationalen Modefirmen ist die Folge. Von Seiten des Bezirks wird auch der Bau einer weiteren Schule, eines Jugendtreffs und die Öffnung der Kindergärten in Aussicht gestellt.
Die Investitionen in die Wohnungen und in das Wohnumfeld zahlen sich aus. Die erhoffte soziale Mischung stellt sich ein. Kinderreiche Familien, alleinstehenden Jungunternehmer, Senioren, Studenten, Alteingesessene und Neu-Hellersdorfer leben zusammen in einem Quartier. Auch das Image des Bezirks bessert sich merklich. Im Jahre 2005 ist der Wohnungsleerstand in der Großsiedlung Hellersdorf gleich null.

Doch bei allem Zukunftsdenken wird auch die Geschichte Hellersdorfs nicht vergessen. Denn das Konzept zur zukunftsfähigen Entwicklung Hellersdorfs beinhaltet auch, die Ursprünge des Bezirks zu erhalten und erlebbar zu machen. Parallel zur Aufwertung der Großsiedlung beginnt also auch eine aufwendige Sanierung des Dorfkerns Alt-Hellersdorf und des alten Gutshofs. Dabei wird vor allem dem Gutshof und den ansässigen Betrieben besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Eine Vereinbarung zwischen dem Bezirk und der Interessengemeinschaft Gut Hellersdorf e.V. besagt, dass der Bezirk die nötige technische Infrastruktur herstellt. Im Gegenzug verpflichten sich die Betriebe die Bauarbeiten an den Gebäuden größtenteils in Eigenregie vorzunehmen und die Denkmalschutzauflagen zu beachten. Dabei werden sie vom Bezirk finanziell unterstützt. Darüber hinaus wird jedem Betrieb auf dem Gut ein Mietvertrag mit einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren zugesichert. Allerdings beschränkt sich diese Vereinbarung nur auf den alten Gutshof. Die übrigen Flächen sollen zurückgehalten und die weitere Entwicklung des Bezirks abgewartet werden. Natürlich ist die Nachfrage nach den Gewerbeflächen auf dem alten Gutshof unter diesen Bedingungen sehr groß, so dass der Bezirk eine Auswahl der Betriebe vornimmt. Einige Handwerker, wie der Bühnenbildner und der Karussellbauer dürfen bleiben, andere Gewerbetreibende, z.B. die Autowerkstatt und die Schlosserei müssen gehen. Sie passen nicht mehr in das Bild des aufstrebenden Hellersdorfs. Dafür werden andere Kunstgewerbefirmen, darunter eine Töpferei, in das Gebiet geholt.
Insgesamt entsteht ein handwerklich-künstlerischer Nutzungsmix der einen Anziehungspunkt im Bezirk darstellt. Die Attraktivität wird zusätzlich durch die Entfernung des Zaunes und durch monatliche Wohngebietsfeste auf dem Gutshof gesteigert.

In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends ist für den gesamten Bezirk ein großer Aufschwung festzustellen. Das Konzept "Hellersdorf - eine Großsiedlung mit Modellcharakter" geht auf.

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4.6.2. 2006-2010 Der Retter in der Not

Anfang 2006 wird das fünfjährige Jubiläum des Projekts, das Hellersdorf soviel Aufmerksamkeit beschert hat, gefeiert. Die Presse in In- und Ausland druckt mehrseitige Artikel über die überwältigende Entwicklung des Bezirks. Bezirks- und Landespolitiker zeigen sich von ihrer Schokoladenseite und zollen sich gegenseitig die größten Lobpreisungen.
Doch schon kurz danach folgt die große Ernüchterung. Der Berliner Senat hat sich mit seinen Anstrengungen finanziell komplett übernommen. Mehrere Jahre lang hat das Land über seinen Verhältnissen gelebt. Das Prestigedenken in Sachen "Weltstadt Berlin" etc. - man kennt ja diese Slogans - hat den Politikern den Blick für die Realität getrübt.
Ein rigider Sparkurs ist die Folge und sämtliche finanziellen Mittel werden gestrichen. Doch auch der Bezirk selbst ist praktisch pleite. Die nächsten Jahre werden zur Konsolidierung des Finanzhaushalts benötigt und alle Investitionen werden auf Eis gelegt.
Der Unmut bei den Anwohnern wächst und sie fordern die versprochenen Investitionen ein. Ein Hellersdorfer Familienvater bringt die Sache auf den Punkt: "Das ist wieder mal typisch, für den kurzfristigen Erfolg tun die Politiker alles, doch langfristig denkt keiner. Was nützen uns supermoderne Häuser und teure Läden in Helle Mitte, wenn unsere Kinder hier nicht in den Kindergarten und in die Schule gehen können? Ganz zu schweigen von der Freizeitgestaltung. Ich will nicht, dass meine Kinder nur vor dem Hauseingang abhängen, weil es keine Freizeiteinrichtungen gibt. Ich fordere vom Bezirk, seine Versprechen einzuhalten. Das heißt: Kitas öffnen, eine Schule bauen und für Jugendfreizeiteinrichtungen sorgen."
Doch der Bezirk ist völlig überfordert und streitet mit abenteuerlichen Geschichten sämtliche diesbezügliche Versprechen ab.
Plötzlich und wie aus dem nichts wartet der Berliner Senat mit einer Pressemitteilung auf - Grundtenor: die Entwicklung Hellersdorfs geht weiter. Mit der Nieland & Co GmbH habe man den Investor gefunden, der dem Quartier zu einer weiteren Aufwertung verhilft. Der Investor wird die dringend benötigten Freizeiteinrichtungen in großem Masse zur Verfügung stellen. In dem geplanten Urban Entertainment Center werde das größte Kino Berlins seinen Platz finden. Darüber hinaus denke man an eine Sporthalle für mehrere tausend Zuschauer, einem ausgedehnten Fitness- und Wellnessbereich und eine Großdisco.
Mit diesem Vorhaben habe man auch die optimale Nutzung für den Bereich des alten Guts gefunden. Der Gutshof könne sogar bis auf weiteres in seiner jetzigen Nutzung bestehen bleiben, allerdings müßten kleinere Grünflächen und die Kleingartensiedlung ebenfalls bebaut werden.
Die Bewohner der Großsiedlung und die Gewerbetreibenden sind entrüstet. So haben sie sich die Zukunft ihres Bezirks nicht vorgestellt. Eine riesige Baustelle hat ihnen inmitten ihres Quartiers gerade noch gefehlt. Auch von den dringend benötigten sozialen Einrichtungen ist in den Planungen keine Rede. Es wird gemunkelt, dass das Land Berlin nur seinen immensen Schuldenberg mit dem Verkauf des Grundstücks schmählern will. Ohnehin gilt Nieland als windiger Unternehmer, der großen Wert auf die schnelle Mark legt und der nicht besonders vertrauenswürdig ist. Dazu kommt noch, dass Land und Bezirk stark vom Geld und dem Willen Nielands abhängig wären.
Eine große Bürgerinitiative namens "Keine Macht für Nieland" wird ins Leben gerufen und eine Unterschriftenaktion gestartet. Das überwältigende Ergebnis ist ein klares Votum gegen die Planungen, welches dem Senat und dem Bezirksamt übergeben wird.
Doch der Vertrag über den Verkauf des Grundstücks und die Planungen ist längst unterzeichnet. Unter Druck gesetzt durch die Bürgerinitiative, legt der Bezirk beim Land Berlin Beschwerde ein, doch mehr als ein vages Versprechen Nielands, "hier und da auch den sozialen Aspekt zu beachten", springt nicht raus.

Schon im Jahr 2008 wird mit dem Bauvorhaben begonnen.

Bild : Die Bürgerinitiative "Keine Macht für Nieland"

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4.6.3. 2011-2020 - Die große Ernüchterung

Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Und auch die befürchteten Folgen treten ein. Die Bewohner fühlen sich von dem ständigen Baulärm gestört. Pünktlich zum Morgengrauen beginnen die Arbeiten und dauern oft bis zum Abend an. LKW poltern durch die Gegend, Bauschutt liegt auf den Straßen und die meisten Parkplätze sind durch Baucontainer und -fahrzeuge blockiert. Und das Ende der Bauarbeiten ist frühestens für 2013 prognostiziert.
Die ersten Bewohner verlassen frustriert das Gebiet. Für sie ist das Leben auf der Baustelle Hellersdorf unerträglich geworden. Doch auch die meisten Geschäfte in Helle Mitte verzeichnen nach einigen erfolgreichen Jahren nun wieder rote Zahlen.
Mit den Bauarbeiten quasi vor der Haustür kann man keine Kunden mehr anlocken. Vor allem der hochwertige Einzelhandel zieht Konsequenzen und verläßt Hellersdorf wieder Richtung Innenstadt. Es wird mit einem ungeheuren Aufwand in den Medien geworben, Filmstars werden eingeladen und auch die Politikprominenz ist zahlreich vertreten. Nur die Hellersdorfer selbst zeigen kein Interesse am vielzitierten neuen Publikumsmagneten.
Von den dringend benötigten sozialen Einrichtungen fehlt jede Spur. Dafür hat man einen Konsumtempel vor die Nase gesetzt bekommen. Der Kommentar Nielands für die Benutzer des Fitnessstudios hätte man eine Kinderbetreuung eingerichtet und das neue Casino könne man ja auch in seiner Freizeit besuchen, ist für den Großteil der Bewohner nicht mehr als ein schlechter Scherz.
Doch der Ärger für die Hellersdorfer geht noch weiter. Jedes Wochenende parken Hunderte von Brandenburgern auf dem eigens erbauten Parkplatz, um dann in die Disco zu strömen. Vehemente Ruhestörungen durch betrunkene Jugendliche bleiben nicht aus. Auch die einst so großzügigen Grünflächen leiden. Sind die Toiletten in der Disco alle besetzt, wird das Geschäft kurzerhand eben draußen verrichtet.
Doch auch tagsüber ist das Quartier nicht mehr wiederzuerkennen. Wo früher die Kleingartensiedlung war, befindet sich heute ein riesiger versiegelter Parkplatz. Und gleich daneben ist das monströse Erlebniscenter entstanden.

Von dem einst so gelobten Hellersdorf, in dem sich die Bewohner so wohlgefühlt haben, ist im Jahr 2020 nicht mehr viel übriggeblieben. Wer es sich leisten kann, zieht in ruhigere und grünere Viertel oder gleich ins Umland.
Auch bei den Gewerbetreibenden auf dem Gutshof sitzt der Frust tief. Ähnliche Gedanken wie der Karussellbauer Dirk Drehdich haben viele: "Die Atmosphäre ist verloren gegangen. Und es macht einfach keine Freude mehr, hier zu arbeiten. Ganz zu schweigen von den Diebstählen, die sich gehäuft haben in der letzten Zeit. Es scheint ein Hobby der Jugendlichen geworden zu sein, am Wochenende in die Werkstätten einzubrechen, die neuesten Fahrgeschäfte auszuprobieren und Werkzeug oder Lichterketten auch gleich mitzunehmen." So verwundert es nicht, dass auch ein Großteil der Gewerbebetriebe das Quartier verläßt. Am Ende des Jahres 2020 muss eine bittere Bilanz gezogen werden. Das so vielversprechende Projekt "Hellersdorf - eine Großsiedlung mit Modellcharakter" ist gescheitert. Die übriggebliebenen Bewohner der Großsiedlung sind desillusioniert. Die Zukunft in Hellersdorf sieht dunkel aus. Mehr als eine Schlafstadt ist das Quartier für die Einheimischen nicht mehr. Zum Arbeiten und in der Freizeit fahren sie lieber woanders hin.
Die einst so großen Pläne für die Großsiedlung sind wie Seifenblasen zerplatzt.

Bild : Das Erlebniscenter Hellersdorf

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4.7. Auswertung

Es ist im Abschnitt 4.1.1. Relevanz in der Planung bereits verdeutlicht worden, dass auf den Ergebnissen des Szenario-Writings häufig die Leitbilder von Planungen aufbauen. Da innerhalb des Projektes "Entwicklungskonzept für das Gut Hellersdorf" ebenfalls die Leitbilder folgen werden, wurden im Abschluss des Inputs zu den Szenarien innerhalb der Projektgruppe neue Ideen und Gedanken zur Problematik abgefragt.

Dazu wurden folgende Fragen in den Raum gestellt und diskutiert, nachdem bereits kurze Abfragen zwischen den einzelnen Szenarien stattgefunden haben.

Gibt es negative Entwicklungen, die vermieden werden sollten?

Die Vielzahl der Antworten kann man auf drei wesentliche Schwerpunkte komprimieren. Vermieden werden sollten demnach :

  • Anziehung "falscher" Bevölkerung durch entsprechende Attraktions- punkte
  • Vertreibung ansässiger Gewerbe
  • "bei Seite" lassen des Gutes.

Zeichnen sich Prioritäten für künftige Leitbilder ab ?

Auch auf die zweite Frage kamen eine Reihe verschiedener Antworten, die sich in 5 Punkten zusammenfassen lassen. Prioritäten könnte folglich sein :

  • konstant halten der Bevölkerung
  • Erhaltung der sozialen Mischung
  • Förderung der Identitätsbildung
  • gezielte Impulse für weitere Entwicklungen
  • eventuell Neubau der kostenintensiven Erhaltung vorziehen

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4.8. Literaturangaben

Ritter, Ernst-Hasso, Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Methoden und Instrumente räumlicher Planung, Hannover 1998

Architektur- und Städtebaukongress der Landesregierung Baden-Württemberg, Hrsg. Staatsministerium Baden-Württemberg, "Schnitt", "Lupen", "Szenarien", Stuttgart 1987


4.9. Quellenverzeichnis

67vgl. Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Gerhard Stiens in: Methoden
und Instrumente räumlicher Planung, Hannover: ARL 1998, S.113

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