Entwicklungskonzept für das Gut Hellersdorf - Zwischenbericht
Infrastruktur

 

Inhalt

1. Definition Infrastruktur
1.1 Oberbegriff
1.2 Definition von Jochimsen
1.3 Infrastruktur in der Stadt- und Regionalplanung
2. Soziale Infrastruktur
2.1 Berlin - Richtwerte und infrastrukturelle Ausstattung
2.2 Hellersdorf - Rahmenbedingungen und infrastrukturelle Ausstattung
2.3. Die Siedlung - infrastrukturelle Ausstattung und Bedarfsberechnung am Beispiel
3. Technische Infrastruktur
3.1 Berlin - Der Stadtentwicklungsplan "Ver- und Entsorgung"
3.2 Hellersdorf - Möglichkeiten der Versorgung des Gutes
3.3 Das Gut Hellersdorf - ........über den Bestand der technischen Infrastruktur
4. Mängel und Potenziale
4.1 Mängel
4.2 Potenziale
5. Ziele und Sofortmaßnahmen
5.1 Ziele bezüglich des Gutsgeländes
5.2 Ziele bezüglich des gesamten Gebietes
5.3 Sofortmaßnahmen
6. Quellenverzeichnis
7. Literaturverzeichnis

 

1. Definition Infrastruktur

1.1. Oberbegriff

Infrastruktur ist die Gesamtheit der Anlagen, Einrichtungen und Gegebenheiten, die den Wirtschaftseinheiten ihrer Aktivitäten vorgegeben sind.

1.2. Definition von Jochimsen

In den 60er Jahren definierte Reimut Jochimsen den Begriff "Infrastruktur":
"Die Gesamtheit der materiellen, institutionellen und personellen Einrichtungen und Gegebenheiten, die der arbeitsteiligen Wirtschaft zur Verfügung stehen und dazu beitragen, dass gleiche Faktorenentgelte für gleiche Faktorenleistungen (vollständige Integration) bei zweckmäßiger Allokation der Ressourcen (höchst mögliches Niveau der Wirtschaftstätigkeit) gezahlt werden. Mit Infrastruktur werden somit die wachstums-integrations- und versorgungsnotwendigen Basisfunktionen einer Gesamtwirtschaft umschrieben". Mit seiner Definition kam der Begriff "Infrastruktur" auf die wissenschaftliche Ebene.

1.3. Infrastruktur in der Stadt- und Regionalplanung

Im Kontext der Stadt- und Regionalplanung umfasst die Infrastruktur (im Sinne der kommunalen Infrastruktur) sowohl die Teilsysteme mit zwischenörtlichen Verknüpfungsfunktionen (technische Infrastruktur) als auch solche mit örtlichen Ausstattungsfunktionen (soziale sowie kulturelle Infrastruktur).

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1.3.1.Technische Infrastruktur

Die materiellen Einrichtungen, die direkte Vorleistungen für die Produktion darstellen, d.h. welche die betriebliche Sachkapitalausstattung erst in Wert setzen bzw. funktionstüchtig machen.
Sie besteht aus:

  • Verkehrseinrichtungen: Straßen, Autobahnnetz, ÖPNV
  • Kommunikationseinrichtungen: Telekommunikation sowie Internet
  • Ver- und Entsorgung: Energie-, Wärme- und Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung

1.3.2. Soziale Infrastruktur

Die Gesamtheit der öffentlichen sowie regionalen Dienste und Einrichtungen, die der sozialen Versorgung der Bevölkerung und die Chancengleichheit dienen.
Sie besteht aus:

  • Schulen: Grund- und Hauptschulen,
  • Realschulen, höhere Schulen usw.
  • Anlagen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendbetreuung: Kindergärten, Kinderheime, Kinder- und Jugendspielplätze usw.
  • Sportanlagen: Turn- und Sporthallen, Sportplätze
  • Anlagen und Einrichtungen der Altenpflege: Altersheime, Altentagesstätten, Alterspflegeheime


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1.3.3. Kulturelle Infrastruktur

Die Anlagen und Einrichtungen, die die Gesamtheit der typischen Lebensformen großer Gruppen einschließlich der sie tragenden Geistesverfassung, besonders der Werteinstellung dienen.
Sie besteht aus:

  • Theater und Kinos
  • Musikalische Anlagen und Einrichtungen: Konzerthalle, Konzertsäle, usw.
  • Künstlerische Anlagen und Einrichtungen: Galerien, Museen, usw.

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2. Soziale Infrastruktur

2.1. Berlin - Richtwerte und infrastrukturelle Ausstattung

In der Berliner Verfassung ist das Recht jedes Bürgers auf gleichwertige Lebensverhältnisse verankert. Damit hat der Berliner Senat die Aufgabe eine gleichwertige und ausreichende Versorgung mit Einrichtungen der sozialen Infrastruktur sicherzustellen.49
Wann aber ist in diesem Zusammenhang die infrastrukturelle Versorgung ausreichend und wie sah diesbezüglich die Realität in Berlin aus?
Über diese und weitere Fragen versucht der folgende Abschnitt Antworten zu finden.

2.1.1. Die Richtwerte

Die frühere Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr hat zusammen mit der früheren Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technik (SENSUT) städtebauliche Richtwerte und Bedarfskriterien für soziale Infrastruktur festgelegt, die eine ausreichende infrastrukturelle Versorgung für Berlin vorschreiben.
Diese Richtwerte finden vor allem im Bereich der Neubauvorhaben Anwendung, um den Bedarf an Wohnfolgeeinrichtungen einkalkulieren zu können. Sie beziehen sich aber auch auf Wohngebiete im Bestand.
Man unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen dem Langzeitbedarf und dem Spitzenbedarf. Der Spitzenbedarf wird ausschließlich in Bezug auf große Neubauvorhaben angewendet. Diese zeichnen sich durch mindestens 500 Wohneinheiten bei Neubauvorhaben ohne direkte stadträumliche Anbindung oder durch mindestens 1000 Wohneinheiten bei Neubauvorhaben innerhalb bestehender Wohnstrukturen aus. Der Langzeitbedarf hingegen wird bei kleineren Wohnungsneubauvorhaben und zur Quantifizierung des Bedarfs in bestehenden Strukturen angewendet.50 Damit hat er für die Arbeit in unserem Projekt auch unmittelbare Relevanz.
Es sind auf den folgenden Seiten die gültigen Richtwerte für Berlin aufgeführt.
Diese sind meist unmissverständlich und klar formuliert, so dass an dieser Stelle nicht auf jeden Richtwert im Einzelnen eingegangen werden soll. Trotzdem ist es nötig auf einzelne Begriffe kurz einzugehen. So ist beispielsweise festgeschrieben, dass das 95% der 6 bis unter 12jährigen einen Grundschulplatz erhalten soll. Zusätzlich ist vorgeschrieben, dass die Klassenstärke etwa 26 Schüler betragen soll, wobei eine Bandbreite von 23-29 zulässig ist. Danach ergibt sich eine Zugstärke von 156 Schüler/Zug. Der Begriff Zug ist demnach durch die Klassenstufen 1 bis 6 definiert (6*26=156). Im Bereich der Jugendfreizeitstätten (JFS) sollen 18 Plätze je 100 Einwohner im Alter von 6 bis unter 25 Jahren bereitgestellt werden. Dieser Richtwert wird jedoch weiter differenziert. Demnach sollen 6,6% der Plätze in öffentlichen Jugendfreizeiteinrichtungen oder in Jugendfreizeiteinrichtungen freier Träger mit öffentlicher Förderung (JFE) bereitgestellt werden. 4,8% der Plätze sollen auf sogenannten pädagogisch betreuten Spielplätzen (PBS) geschaffen werden. Diese Abenteuerspielplätze, wie die geläufigere Bezeichnung lautet,
können sowohl öffentlicher als auch öffentlich geförderter Natur sein oder durch freie nicht geförderte Träger betrieben werden. Sie sind aber erst ab 10.000 Einwohner vorgeschrieben. In der Summe bedeutet dies für die flächenrelevante Infrastrukturplanung des Landes Berlin 11,4 Plätze, denn man geht davon aus, dass weitere 6,6% der Plätze in Jugendfreizeiteinrichtungen freier, nicht öffentlich geförderter Träger geschaffen werden.
Sinn dieser Richtwerte ist also, den Bedarf an Wohnfolgeeinrichtungen zu quantifizieren und Defizite zu erkennen. Sie könne daher als Planungsgrundlage begriffen werden.

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2.1.2. Die Bedarfsberechnung

Wie wird nun der Langzeitbedarf berechnet?
Das ist bei Richtwerten, die sich auf die Gesamtbevölkerung beziehen, wie zum Beispiel jene für Sportanlagen, denkbar einfach. Der Bedarf ergibt sich aus der Multiplikation von Einwohnerzahl und Richtwert.

Bedarf = Einwohner x Richtwert

Bei Richtwerten, die sich jedoch auf eine bestimmte Zielgruppe beziehen, wie zum Beispiel jene für Schulen, Kindertagesstätten oder Jugendfreizeitstätten, müssen die jeweiligen Zielgruppen ermittelt werden. Dafür wurde in Berlin - ausgehend von der durchschnittlichen Altersstruktur Berlins - die Jahrgangsstärke von Kindern und Jugendlichen bei der Berechnung des Langzeitbedarfs auf 1,0% festgelegt (beim Spitzenbedarf sind 1,5% festgesetzt). Das bedeutet, dass jeder Jahrgang 1,0% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Die Formel die sich daraus für die Berechnung des Langzeitbedarfs ergibt, lautet 51:

Bedarf = EW x Jahrgangsstärke x Jahrgänge x Richtwert

Dabei ergäbe die Multiplikation der ersten drei Faktoren die jeweilige Zielgruppe.

Es bleibt festzustellen, dass diese Richtwerte in der Praxis nicht ganz unproblematisch sind. Dies beruht auf folgenden Tatsachen. Es wird von pauschalisierten Planungsgrundlagen bezüglich der festgelegten Jahrgangsstärken ausgegangen. Da aber gerade die Unsicherheiten und Transformationsprozesse der Nachwendezeit auch Auswirkungen auf die Altersstruktur haben, kann die Anwendung der Richtwerte gerade im Ostteil der Stadt zu Fehleinschätzungen im Bedarf führen.
Zweitens stellen die Richtwerte naturgemäß keine objektiven Festlegungen dar, sondern sie sind vielmehr Ausdruck der subjektiven Einschätzungen ihrer Entscheidungsträger und Resultate eines demokratischen Meinungsbildungsprozesses. Die Tatsache, dass in der ehemaligen DDR andere Richtwerte mit anderen Prioritäten gültig waren, ist ein Beweis für diese These. So finden wir gerade in Berlin eine nicht synchrone Flächenverteilung in Ost und West vor, als Ergebnis von unterschiedlich angewendeten Richtwerten.
Drittens müssen die Richtwerte auch nicht zwingend mit den Bedürfnissen der Bewohner übereinstimmen.

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2.1.3. Die Ausstattung Berlins mit infrastrukturellen Einrichtungen

Ausgehend von diesen Richtwerten ist es natürlich interessant zu hinterfragen, wie denn die Bezirke Berlins die Richtwerte erfüllen. Hierzu hat die SENSUT 1998 den Bericht "Ausstattung der Berliner Bezirke mit sozialer Infrastruktur 1996" herausgegeben, der einen differenzierten Einblick in die Versorgungslage der Berliner Bevölkerung ermöglicht.
Allgemeine Erkenntnis dieses Berichts war, dass in vielen Infrastrukturbereichen bereits eine Angleichung zwischen Ost- und Westbezirken erreicht worden ist.
Daher treten nun wieder die Disparitäten zwischen den Außenbezirken und den Innenbezirken in den Vordergrund, denn mit Ausnahme der flächenintensiven Infrastruktureinrichtungen wie zum Beispiel Sportplätzen, sind die Außenbezirke signifikant schlechter ausgestattet als die Innenbezirke.
Im Folgenden sind die Ergebnisse dieser Erhebung in Bezug auf Berlin einmal tabellarisch zusammengefasst.
Es ist auf den ersten Blick erkennbar, dass insgesamt nur 2 Richtwerte erfüllt werden konnten (Oberschulen insgesamt und Seniorenfreizeitstätten). Deutliche Defizite lassen sich jedoch in den Bereichen Jugendfreizeitstätten, Kinderspielplätze und Sportanlagen ablesen. So konnten beispielsweise 1996 nur 46.463 Plätze in Jugendfreizeitstätten bereitgestellt werden, was nur 57,8% des Langzeitbedarfs von 80.329 Plätzen bedeutet.

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Abbildung 1: Berliner Richtwerte

Infrastrukturbereich Bedarfskriterien/Richtwerte Bemerkungen
1. Kindertagesstätten 70% der 0 bis unter 10 jährigen Kinder  
2. Schulen    
2.1. Grundschulen 95% der 6 bis unter 12jährigen  
  Ca. 26 Schüler/Klasse
Ca. 156 Schüler/Zug
10 Unterrichtsräume/Zug
 
     
2.2. Oberschulen SEK I (Klasse 7-10): 116 Schüler/Zug  
  SEK II (Klasse 11-13): wird im Rahmen der SEK I Planung
berücksichtigt
 
3. Volkshochschulen 1 Unterrichtsraum/5000 EW  
4. Jugendfreizeitstätten
(JFS)
18 Plätze/100 Einwohner im Alter von 6 bis 25 Jahren, davon:

6,6 % für Plätze in Jugendfreizeiteinrichtungen (JFE)

4,8% für Plätze für Plätze auf pädagogisch betreuten
Spielplätzen (PBS)

6,6 % für Plätze in Jugendfreizeiteinrichtungen (JFE)


Öffentliche und öffentlich freie Träger
Öffentliche, öffentlich geförderte u. nicht öffentlich geförderte freie Träger
nicht öffentlich geförderte freie Träger
5. Kinderspielplätze 1,0 m² Netto-Spielfläche je EW  
6. Öffentliche Sportflächen
6.1. Ungedeckte Kernsportflächen (Sportplätze)
6.2. Gedeckte Kernsportflächen (Sporthallen)


2,5m² Nettokernsportfläche je EW


0,34m² Nettokernsportfläche je EW
 
7. Seniorengerechter Wohnraum
7.1. Seniorengerechte Wohnanlage (Seniorenheim)
7.2. Seniorenfreizeitstätte
Wohnraum für 8 von 100 EW im Alter von 65 und mehr Jahren

Anteil der 8% entsprechend dem Bedarf in Abstimmung mit dem Bezirk und SenGesSoz.

2,5 Plätze /100 Einwohner im Alter von 65 und mehr Jahren
 
8. Öffentliche Bibliotheken 2,5 Medieneinheiten je Einwohner  
9. Öffentliche Hallenbäder 0,01 m² Wasserfläche  
10. Öffentliche Grünflächen

10.1. wohnungsnahes Grün

10.2. siedlungsnahes Grün





10.3. Spielplätze

10.4 Ausgleichsgrün



6 m²/EW


7 m²/ EW






Siehe Punkt 5

Keine (Ersatz entsprechend)landschaftspflegerischer Begleitplanung)



Bis 500m Gehbereich, mind. 0,5 ha Größe

Für die tägliche Kurzzeit- u. Feierabenderholung
a) ca. 1km Gehbereich, mind. 10 ha

b) ca. 20 min Fahrbereich o. 1.5km Gehbereich, mind. 50 ha

Bedarfsermittlung in Abhängigkeit des Eingriffs in Natur und Landschaft


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Abb. 2: Bedarfs-Bestandsanalyse für Berlin 1996

  Bestand Bedarf Richtwerteerfüllung in %
Grundschulen 1361,4 Züge 1343,45 Züge 83,5
Oberschulen insges. 1247,94 Züge 1242,94 Züge 100,4
Hauptschulen 184,71 Züge 167,84 Züge 110
Realschulen 256,84 Züge 264,02 Züge 97,3
Gesamtsch. O. SEK II 148 Züge 133,1 Züge 111,2
Gesamtsch. Mit SEK II 228 Züge 238,58 Züge 95,6
Gymnasien 430,42 Züge 439,47 Züge 97,9
Volkshochschulen 320 UR 685,73 UR 46,7
JFE 52 46.463 Plätze 80.329 Plätze 57,8


Seniorengerechter Wohnraum
33.082 WE 37.870 WE 87,4
Seniorenfreizeitstätten 12.926 Plätze 11.835 Plätze 109,2


öffentliche Bibliotheken
6.277.687 ME 8.571.610 ME 73,2

öffentl. Kinderspielplätze
1.630.193 m² 3.428.644 m² 47,5
öffentl. Hallenbäder 28.284 m² 34.286 m² 82,5

Quelle: Eigene Darstellung nach Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie, Ausstattung der Berliner Bezirke mit sozialer Infrastruktur 1996, Berlin 1998, S. 28-81.

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2.2. Hellersdorf - Rahmenbedingungen und infrastrukturelle Ausstattung

Nach diesem Überblick zur infrastrukturellen Ausstattung Berlins soll nun die Betrachtung auf den Bezirk Hellersdorf fokussiert werden. Dazu ist es sinnvoll die spezifischen Rahmenbedingungen der infrastrukturellen Versorgung dieses Bezirks zu erörtern.

2.2.1. Rahmenbedingungen

Es sind im Wesentlichen drei Rahmenbedingungen von Bedeutung.

  • die gewandelte Lebensweise nach der Wende
  • "das Nichtfertiggestelltsein" der Siedlung
  • die demographische Entwicklung

Bezüglich Punkt a.) muss festgestellt werden, dass die Planung in der DDR von einer vollbeschäftigten Gesellschaft ausging. Zweitens spielte im Jugendfreizeitbereich die Institution Schule eine wesentlich bedeutsamere Rolle als heute. Das Wohngebiet spielte also als Zentrum des Lebensalltag nur eine sekundäre Rolle. Mit der Wende hat sich das natürlich dramatisch geändert. "Mehr als jemals geplant, wird das Wohngebiet zum Lebenszentrum vieler Bewohner" 53 heißt es diesbezüglich zurecht in der Rahmenplanung von Hellersdorf, denn "wer keine Arbeit hat, betrachtet auch sein Wohnumfeld mit neuen Augen. Wer intensiv arbeiten muss, wird höhere Ansprüche an Entspannungs- und Erholungsangebote haben. Wer weiß, dass die Arbeitsmarktchancen seiner Kinder mit guter Ausbildung steigen, wird sensibel bei der Auswahl der Schule und den damit ggf. verbundenen komplizierteren Schulwegen." 54
Der unter b.) benannte Problemkomplex ergibt sich aus dem Baustop und Planungsneubeginn 1990 in Hellersdorf. Dies hatte zur Folge, dass Wohnfolgeeinrichtungen, wie Sportanlagen, Freiräume oder Kultureinrichtungen, die ohnehin mit Zeitverzögerung entstanden wären, auf der Strecke blieben. Es entstand dadurch ein riesiges infrastrukturelles Defizit, mit dem Hellersdorf noch 10 Jahre nach der Wende kämpft.

Die benannten Problemfelder werden letztlich noch durch eine wellenförmige demographische Entwicklung überlagert. So gab es Anfang der 90er Jahre relativ viele Kinder unter 6 Jahren - also im sogenannten "Kitaalter". Aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge in der Folgezeit folgte auf diesen oben genannten "Kitakinderberg" ein "Tal" mit einem unterdurchschnittlichen Anteil von Kleinkindern. Es ist logisch, dass auf den "Kitakinderberg" durch das Heranwachsen der Kinder Mitte der 90er ein "Grundschülerberg" zu verzeichnen war, dem wiederum ein "Grundschülertal" folgen musste. Analog dazu dürfte sich Hellersdorf momentan am Gipfel seines"Oberschülerbergs" befinden, dem ebenfalls ein Tal folgen wird. Durch diese demographische "Berg-und-Talfahrt" ergeben sich natürlich relativ rasant wechselnde Ansprüche an die soziale Infrastruktur. Das heißt eine geordnete Infrastrukturplanung war in Hellersdorf praktisch unmöglich und es bedarf sehr flexibler Lösungen beim Umgang mit dieser Problematik.

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Abb.3: Bedarfs-Bestandsanalyse für Hellersdorf 1996

  Bestand Bedarf Richtwerteerfüllung in %
Grundschulen 98,4 Züge 17,91 Züge 83,5
Oberschulen insges. 82,03 Züge 72,03 Züge 113,9
Hauptschulen 11,41 Züge 10,51 Züge 108,6
Realschulen 18,59 Züge 18,84 Züge 98,7
Gesamtsch. O. SEK II 14,35 Züge 10,29 Züge 139,5
Gesamtsch. Mit SEK II 10,18 Züge 10,54 Züge 96,6
Gymnasien 27,5 Züge 21,85 Züge

125,9

Volkshochschulen 8 UR 27,03 UR 29,6
JFE 55 1.337 Plätze 4.749 Plätze 28,2


Seniorengerechter Wohnraum
710 WE 730 WE 97,3
Seniorenfreizeitstätten 95 Plätze 228 Plätze 41,7


öffentliche Bibliotheken
197.583 ME 337.933 ME 58,8

öffentl. Kinderspielplätze
27.469 m² 135.173 m² 20,3


gedeckte Kernsportanlagen
22.054 m² 45.959 m² 48
ungedeckte Kernsportanlagen 102217 m² 337933 m² 30,2

 

öffentl. Hallenbäder

372 m² 1.352 m² 27,5

Quelle: Eigene Darstellung nach Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie, Ausstattung der Berliner Bezirke mit sozialer Infrastruktur 1996, Berlin 1998, S. 28-81.

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2.2.2. Die infrastrukturelle Ausstattung

Ausgehend von der demographischen Struktur Hellersdorfs kann nun wiederum hinterfragt werden, wie die Versorgungssituation der Bevölkerung mit infrastrukturellen Leistungen in diesem Bezirk aussah beziehungsweise aussieht. Von besonderem Interesse ist hierbei auch der Vergleich mit Gesamt-Berlin.
Die Tabelle zeigt die errechneten Bedarfe und stellt diese dem Bestand gegenüber. Dabei ist erkennbar, dass auch in Hellersdorf nur sehr wenige Richtwerte erfüllt werden konnten. Betrachtet man die einzelnen Bereiche etwas genauer, so lässt sich feststellen, das im Grundschulbereich 1996 der Richtwert nur zu etwa 83,5 % erfüllt wurde. Dieses Defizit ist dem damaligen überdurchschnittlich hohen Anteil an Grundschülern geschuldet und hat sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. So sind bereits vier Grundschulstandorte geschlossen worden und es sind weitere Schließungen geplant.56
Im Oberschulbereich hingegen verzeichnete Hellersdorf 1996 noch Überkapazitäten von etwa 14%. Auch hier hat sich die Lage drastisch geändert. So ist das Verhältnis von Bestand und Bedarf zwar momentan noch ausgeglichen. Die ersten Schließungen sind jedoch auch bei den Oberschulen in Planung. Sehr große Defizite verzeichnete Hellersdorf 1996 vor allem bei den Jugendfreizeitstätten, bei den Kernsportanlagen und bei den öffentlichen Kinderspielplätzen. Es waren damals gerade mal 20,3% des Richtwerts bezüglich der Spielflächen erfüllt. Dieses dürfte infolge von Wohnumfeldmaßnahmen durch den Bezirk und dem allgemeinen Bevölkerungsrückgang besser geworden sein. Allerdings werden die Spielflächen, die seit dieser Zeit durch die Wohnungsbaugesellschaften in den Innenhöfen entstanden und die den größeren Teil der Wohnumfeldgestaltungen ausmachen, nicht von dieser Statistik erfasst. Auch im Bereich der Sportanlagen dürfte es aufgrund von Neubauten und dem Bevölkerungsrückgang zu einer leichten Entspannung gekommen sein. Im Jugendfreizeitbereich hingegen dürfte sich die Unterversorgung trotz neu hinzu gekommener Einrichtungen gar noch verschärft haben - wiederum aufgrund der demographischen Entwicklung (Anwachsen des Anteils der 6 bis unter 25jährigen).


Das Diagramm macht bereits ohne genaueren Hinsehen deutlich, dass Hellersdorf 1996 in fast allen Bereichen unterdurchschnittlich versorgt war. Ausnahmen waren lediglich der Oberschulbereich und der Seniorengerechte Wohnraum. An dieser Stelle soll auch ein Überblick der kulturellen Versorgung der Hellersdorfer Bevölkerung nicht vorenthalten werden. In der Rahmenplanung wird festgestellt, dass "der bezirklichen Kulturpolitik ein hoher Stellenwert für die Entwicklung der Großsiedlung zu einem attraktiven Stadtteil zukommt." 58 Dabei ist die Handlungsfähigkeit dieser Kulturpolitik wie auch im übrigen Stadtgebiet Berlins durch finanzielle und personelle Engpässe bestimmt, so dass viele Einrichtungen in ihrem Bestand gefährdet sind. Hellersdorf verfügt zwar unter anderem über einen Filmclub, ein Musikzentrum, ein Theater, ein Großkino und einer Galerie, jedoch reicht dieser Bestand bei weitem nicht aus, wenn man bedenkt, dass der Bezirk mit knapp 130.000 Einwohner Großstadtdimension hat. So fehlen zum Beispiel noch weitere Proberäume, eine Freilichtbühne, eine Jugendkunstschule oder ein Konzertsaal. Solche Einrichtungen wurden sowohl in dem "Bericht der Strukturkommission zur Weiterentwicklung der Kulturarbeit in den Berliner Bezirken" empfohlen als auch von Fr. Heinrich - Angestellte im Stadtplanungsamt Hellersdorf - erwünscht. 59

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Diagramm: Berlin und Hellersdorf 1996 57

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2.3. Die Siedlung - infrastrukturelle Ausstattung und Bedarfsberechnung am Beispiel

Es soll nun im letzten Schritt der Analyse zur sozialen Infrastruktur auf die unmittelbare Gutsumgebung eingegangen werden, um hier anhand von Karten die einzelnen Einrichtungen zu lokalisieren und mit eigenen Bedarfsberechnungen zu unterfüttern. Es wird daher in diesem Abschnitt noch einmal die eingangs erläuterte Richtwertproblematik und Bedarfsberechnung aufgegriffen und praktisch angewendet. Dazu ist es sinnvoll den Untersuchungsraum vorher zu definieren.
Entsprechend der sozialräumlichen Gliederung Hellersdorfs soll unser Untersuchungsraum durch die Sozialräume 2 und 3 definiert werden. Damit liegen den weiteren Erhebungen folgende Basisdaten zu Grunde.

Abb.5: Die Sozialräume 2 und 3

Sozialraum Einwohner Fläche in ha Dichte
2 8.866 44,7 198,2
3 10.488 69,5 150,8
gesamt 19.354 114,2 169,4


Quelle: Bezirksamt Hellersdorf (Hrsg.),
Jahresgesundheitsbericht 1998 (II), Heft 19, Berlin
1999, S. 9.

2.3.1. Kindertagesstätten, Schulen und Sportstätten

Auf der Karte 1 sind Kindertagesstätten, Schulen und Sportanlagen zusammengefasst.
Dabei ist zu erkennen, dass von den ehemals 8 Kindertagesstätten nur noch 2 Kitas - in der Suhler Straße und der Fercher Straße - als solche genutzt werden. 2 ehemalige Kitagebäude werden heute anderweitig genutzt (Senftenberger Straße), 3 Gebäudekomplexe stehen ganz leer und ein Gebäude an der Kastanienallee ist bereits abgerissen worden. Bezüglich der Leerstände sind insbesondere die beiden Kitas am Havelländer Ring nördlich des Gutsgeländes als problematisch zu bewerten. Sie weisen eine äußerst marode Baustruktur auf und strahlen somit als "Schandflecke der Siedlung" eine unästhetische Atmosphäre aus.
An dieser Stelle soll noch einmal die Berechnung des Langzeitbedarfs am konkreten Beispiel gezeigt werden. Die Frage lautet also: Wie ist der Langzeitbedarf an Kitaplätzen im Untersuchungsraum?
Der Richtwert bezüglich Kindertagesstätten schreibt vor, dass für 70% der Einwohner von 0 bis unter 10 Jahren ein Kitaplatz bereitstehen soll.
Als Planungsgrundlage muss von 19354 Einwohnern und von einer Jahrgangsstärke bei Kindern und Jugendlichen von 1,0% ausgegangen werden.
Die Anzahl der Null bis unter 10jährigen würde sich demnach mit der Formel

Anz. Kinder = EW x Jahrgangsstärke x Jahrgänge
Anz. Kinder = 19354 x 0,01 x 10 (Jahrgänge) = 1935,4 Kinder

Ermittelt man nun von dieser Zielgruppe die im Richtwert geforderten 70% erhält man die für den Langzeitbedarf erforderlichen Plätze für Kindertagestätten.
Bedarf an Kitaplätzen = 1935,4 x 0,7 = 1354,8 Plätze = 1355 Plätze

Dieser Bedarf erscheint nun immens hoch angesichts der Tatsache, dass die hier vorzufindenden Gebäude etwa 180 Plätze fassen 60. Es zeigt daher einmal mehr, dass man solche eher theoretischen Berechnungen mit der Realität vergleichen und gegebenenfalls kritisch hinterfragen muss.
So ist das rechnerische Defizit von etwa 995 Plätzen keineswegs real. Vielmehr relativiert sich das Verhältnis von Bestand und Bedarf, wenn man bedenkt, dass zu den Kitaplätzen auch Hortplätze gehören und der Anteil der Kinder im Kitaalter in Hellersdorf unterdurchschnittlich ist. Zweitens sind Kindertagesstätten in unmittelbarer Nähe zum Untersuchungsgebiet nicht im Bestand erfasst. Drittens darf aber vor allem der Stadtplaner nicht den Langzeitbedarf mit dem momentanen Realbedarf verwechseln. Denn eine seriöse Infrastrukturplanung darf sich nicht nur vom momentanen Bedarf leiten lassen, sondern sie muss vielmehr auch offen für eventuelle Veränderungen sein. Der hier errechnete Bedarf hat also durchaus seine Berechtigung.
Allerdings sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Bedarfsermittlung in der Praxis nicht ganz so einfach abläuft. So werden von den entsprechenden Fachverwaltungen zusätzlich noch die Einzugsbereiche für zum Beispiel Kindergärten definiert, das heißt, es wird festgelegt, wie weit eine Kindertagesstätte von den Wohnstandorten der Kinder entfernt sein soll. Für diese Einzugsbereiche werden dann gezielt Defizite und Überhänge ermittelt. Aber weil diese Einzugsbereiche oftmals nicht mit dem Planungsgebiet kongruent sind, ergeben sich hier für den Planer praktische Schwierigkeiten, die beim obigen Beispiel vernachlässigt wurden.

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Im Grundschulbereich stehen momentan einem Langzeitbedarf von 1105 Schulplätzen 2 Grundschulen mit insgesamt etwa 781 Grundschülern gegenüber 61. Auch in diesem Fall gelten die im vorigen Abschnitt aufgeführten Erklärungen zu diesem real nicht existierenden Defizit.
Bei den Oberschulen stehen zur Zeit 4 Oberschulen mit insgesamt 1471 Schülern zur Verfügung 62. Dabei wird mit den 2 Hauptschulen, einer Gesamtschule und einer Realschule nahezu die gesamte Bandbreite der Oberschulversorgung angeboten. Diese wird durch den (fast fertigen) Bau eines Gymnasiums am Havelländer Ring noch ergänzt. Im Bereich der Sportanlagen stehen in dem Gebiet einem Bedarf von rund 6588 m² Turnhallenfläche derzeit nur 4 Turnhallen gegenüber. Dieses Defizit wird mit der Fertigstellung des Turnhallenkomplexes am Havelländer Ring leicht verringert werden können.
Dramatischer ist die Lage aber bei den ungedeckten Kernsportflächen. Denn einem Bedarf von 48.447,2 m² Nettokernsportfläche steht im gesamten Gebiet nur ein Sportplatz zur Verfügung. So wird selbst nach der Fertigstellung eines Sportplatzes am Havelländer Ring ein sehr großes Defizit diesbezüglich zu verzeichnen sein.

(Siehe: 7.13 Anlage Schulen, Kitas, Sportanlagen)

2.3.2. Jugendfreizeitstätten, kulturelle Einrichtungen, Kinderspielplätze, private Dienstleistungen und Gesundheitseinrichtungen

Auf der Karte 2 sind Jugendfreizeitstätten, Kinderspielplätze und kulturelle Einrichtungen, sowie private Dienstleistungen erfasst. Ebenfalls sind hier gesundheitlichen Zwecken dienende Gebäude und Einrichtungen kartiert.
Zu den privaten Dienstleistungen zählen die 3 im Gebiet befindlichen Restaurants ebenso wie die Diskothek am Cottbusser Platz und die drei Bars. Einrichtungen der letztgenannten Gruppe befinden sich am Cottbusser Platz, an der Gothaer Strasse (Casino) und an der Ecke Eisenacher /Gothaer Straße (auch Disko-Veranstaltungen). Diese Einrichtungen sind rein privat. Das bedeutet, dass auf sie kaum planerisch Einfluss genommen werden kann und diesbezüglich auch keine Richtwerte existieren. Trotzdem beeinflussen solche Strukturen in einem nicht unerheblichem Masse die Lebensqualität in einem Wohngebiet. In unserem Untersuchungsraum lässt sich jedoch feststellen, dass erstens relativ wenig dieser Einrichtungen vorzufinden sind (im Vergleich zu einem Innenstadtgebiet) und zweitens diese nur eine unterdurchschnittliche Qualität vorweisen können. Auch wenn eine solche Aussage wegen der schlechten Messbarkeit nicht ganz unproblematisch ist, dürfte es wohl Konsens sein, dass zum Beispiel das China-Restaurant in einer Baracke nahe der Gothaer Straße nicht zum "schick Essen gehen" geeignet ist.
Es ist darüber hinaus eine gewisse Zentrumsbildung dieser Einrichtung nahe der Gothaer Straße zu erkennen.
Ebenfalls größtenteils privat sind die Gesundheitseinrichtungen im Gebiet. Dazu zählen vor allem die Arztpraxis in der Straße Alt-Hellersdorf, das Ärztehaus nahe der Gothaer Straße und die angrenzende Apotheke. Es ist damit aber zum Beispiel auch die Sozialstation der Arbeiter Wohlfahrt in der Fercher Straße 8 gemeint, das vor allem im Senioren- und Pflegebereich eine große Rolle spielt.

Zu den kulturellen Einrichtungen zählen vor allem jene Einrichtungen, die eine Art "Begegnungsstätte" darstellen. Hierbei wäre vor allem das Nachbarschaftshaus in der Kastanienallee, das Kreativzentrum in der Senftenberger Straße und das Familienzentrum des SOS-Kinderdorfs zu erwähnen. Im Nachbarschaftshaus sind mehrere freie Träger ansässig, die verschiedene Kurse und kulturelle Veranstaltungen anbieten. Exemplarisch soll an dieser Stelle die Agrarbörse Deutschland Ost e.V. genannt werden, die vor allem Kurse zur Holzbearbeitung und ähnliches anbietet. Das Kreativzentrum verfolgt eine Art Integrationskonzept von Jung und Alt. Es dürfte demnach auch Seniorenfreizeitstätten bereitstellen. Hier werden vor allem Kurse zur Förderung der Kreativität und musikalische Veranstaltungen angeboten. Das Familienzentrum des SOS-Kinderdorfes stellt vor allem für junge Mütter mit ihren Kindern eine Anlaufstelle und Begegnungsstätte dar.
Zu den Jugendfreizeiteinrichtungen gehören das "Malibu" am Cottbusser Platz mit 77 Plätzen und das "Bit - Dein Club" an der Alten Hellersdorfer mit 70 Plätzen.63 Beide Einrichtungen unterstehen dem Bezirksamt Hellersdorf und bieten den Jugendlichen neben üblichen Jugendtreffangeboten auch unterschiedliche Kurse an. Ergänzt wird dieses Angebot noch durch die sehr sportorientierte "Senfte 10" und das Jobzentrum "Sonneneck". Beide Einrichtungen werden vom Kids & Co e.V. getragen und mit öffentlichen Fördermitteln unterstützt. Wenn man davon ausgeht, dass sie ebenfalls jeweils über etwa 70 Plätze verfügen, besteht im Gebiet ein Bestand von etwa 280 Plätze. Dem steht ein flächenrelevanter Bedarf von 243 Plätzen in öffentlichen und öffentlich geförderten Jugendfreizeiteinrichtungen und 177 Plätzen auf pädagogisch betreuten Spielplätzen gegenüber. Da im Untersuchungsraum kein pädagogisch betreuter Spielplatz existiert, ergibt sich ein Defizit von etwa 140 Plätzen. Es ist aber aufgrund des überdurchschnittlich hohen Anteils Jugendlicher davon auszugehen, dass momentan die Unterversorgung deutlich gravierender ist.
Bezüglich öffentlicher Kinderspielplätze verlangt der Richtwert knapp 8 ha Netto-Spielplatzfläche. Der Bestand wird hier relativ große Defizite zeigen, da ein Großteil der in den letzten Jahren aufwendig gestalteten Spielplätze nicht als öffentlich gelten. Insgesamt lässt sich das Spielplatzangebot im Gebiet als ausreichend bewerten.

(Siehe: 7.15 Anlage Spielplätze und Kultureinrichtungen)

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3. Technische Infrastruktur

3.1. Berlin - Der Stadtentwicklungsplan Ver- und Entsorgung

Vorhaben der Stadtentwicklungsplanung setzen Grundlageninformationen der technischen Infrastruktur voraus. Diese können in Form von Grundlagenkarten und -berichten, im gesammelten Format, vermittelt werden. Eine solche Sammlung über grundlegende Informationen der technischen Infrastruktur ist Inhalt des Teil1 vom Stadtentwicklungsplan Ver- und Entsorgung für Berlin, auf dem im folgenden eingegangen wird.
Der Stadtentwicklungsplan Ver- und Entsorgung stellt eine Leitlinie für koordiniertes Planen und Handeln im Bereich Ver- und Entsorgung dar. Er enthält die Darstellung der Berliner Ver- und Entsorgungssysteme mit Bezug auf die Stadtentwicklung und ihre Planung 64. Folgende Bereiche sind dargestellt:

1. Elektroenergieversorgung
2. Gasversorgung
3. Wärmeversorgung
4. Wasserversorgung
5. Abwasserentsorgung und Regenwasserableitung

3.1.1. Elektroenergieversorgung

Fernleitungen der VEAG bringen Strom auf Hochspannungsebene ( 380 bzw. 220 kV) nach Berlin. Der Westteil der Stadt ist seit 1994 mit einer 380 kV Leitung an das europäische Verbundnetz angeschlossen. Der Ostteil dagegen ist seit Jahrzehnten über mehrere 220 kV und 110 kV Leitungen mit dem Netz der VEAG verbunden. Im Westteil findet man ausschließlich unterirdische Leitungen, wobei im Ostteil noch vor der Wende Freileitungen verlegt worden sind.
Umspannwerke transformieren den nach Berlin geführten Strom zur Versorgung der Teilräume auf die Mittelspannungs- und Niederspannungsebene (dies ist allerdings abhängig vom Kunden, ob es öffentliche Einrichtungen, Gewerbe oder Privathaushalte sind). Die Gesamtlänge der Leitungen Berlins beträgt 26.000 km; dazu kommen entsprechend 10.000 Netz- und Übergabestationen hinzu.
Alle in Berlin genutzten bzw. bebauten Grundstücke sind an die Stromversorgung angeschlossen.

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3.1.2. Gasversorgung

Das Berliner Erdgasnetz der GASAG hat eine Länge von 6.590 km (Stand: 1996). Der Ostteil Berlins ist seit 1960 an das regionale Netz der Verbundnetz AG angeschlossen. Dieses Hochdrucknetz liegt zur Zeit bei etwa 6 bar und soll auf 10 bis 16 bar erhöht werden. Ebenso ist eine Sanierung des Niederdrucknetzes notwendig.
Der Westteil Berlins wird seit 1985 über eine gesonderte Leitung mit sibirischem Erdgas versorgt. Untergrundspeicher in Charlottenburg, Reduzier- und Verteilerstationen (in Mariendorf und Charlottenburg) geben durch ein sternförmiges Verteilernetz das Gas weiter.
Seit etwa 1994/ 95 verbinden drei Hochdruckleitungen das Ost- und Westnetz. Durch diese drei Hochdruckleitungen, aber auch durch weitere Hoch- und Mitteldruckverbindungen entsteht eine flexible Erdgasverbindung.

3.1.3. Wärmeversorgung

In Berlin ist etwa ein drittel aller beheizten Geschossflächen in Wohn- und Nichtwohngebäuden mit Fernwärme versorgt. 1996 waren es 565.000 Wohnungen und 20 Mio. m2 beheizte Geschossfläche in Nichtwohngebäuden. Im Ostteil Berlins wurde die Wärmeversorgung seit den 50er Jahren im Zusammenhang mit Neubauvorhaben zunächst im Stadtzentrum, in Friedrichshain und Lichtenberg, dann in den Großsiedlungsgebieten von Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen im großen Umfang ausgebaut. Das zentrale Fernwärmenetz der Bewag versorgt heute 285.000 Wohnungen durch die Heizkraftwerke Lichtenberg, HKW Mitte, Klingenberg und einige andere. Im Westteil Berlins baute die Bewag nach 1960 ein zentrales Fernwärmenetz aus. Dieses sogenannte "Verbundnetz West" wird durch große Heizkraftwerke wie Reuter West, Charlottenburg und einige andere versorgt (1996 waren es 285.000). Seit den 80er Jahren gibt es noch weitere Nahwärmenetze mit eigenen Heizwerken von unterschiedlichen Betreibern.
Fernwärmeleitungen liegen in der Regel in Kanälen im Straßenraum. Im Ostteil Berlins wurden vor 1990 aber auch 60 km oberirdisch verlegt. Diese auffälligen Freileitungen sind vielerorts deutlich sichtbar.
In den mit Fernwärme versorgten Bereichen sind nicht alle Gebäude an die Fernwärmeleitungen angeschlossen, da kein Anschlusszwang besteht. Besonders im Westteil der Stadt findet man Gebäude, in den mit Fernwärme versorgten Bereichen, die mit Öl-, Gas- und auch mit Kohleheizungen ausgestattet sind.
Im Westteil Berlins sind die nicht mit Fernwärme versorgten Bereiche überwiegend mit Ölheizungen ausgestattet (zu 50 bis 90%). Vor allem in den Außenbezirken mit offener Bebauung finden sich mit Gas betriebene Heizanlagen in den Wohnhäusern. Kohle oder Ofenheizungen findet man in dicht bebauten Altbaubereichen der Innenstadt (Anteile von 10 bis max. 30%). Im Ostteil Berlins sind etwa 200.000 Wohnungen (30%) mit Gasheizungsanlagen ausgestattet, allerdings haben noch mindestens 160.000 Wohnungen Ofenheizungsanlagen, wobei hier Schwerpunktbereiche in Pankow, Weißensee und Treptow liegen.

(Siehe: 7.14 Anlage Wärmeversorgung)

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3.1.4. Wasserversorgung

Die Berliner Wasserbetriebe gewährleisten mit 12 Wasserwerken die Trinkwasserversorgung der Stadt, sowie einiger Umlandgemeinden. Nach dem Stand von 1998 werden etwa 240 Mio. m² Wasser jährlich gefördert. Zur Stabilisierung der Grundwasserbildung wird in den Wasserwerken Jungfernheide, Spandau, Stolpe und Tegel, Oberflächenwasser in Grundwasseranreicherungsanlagen versickert.
Über ein Wasserleitungsnetz von 7.700 km Länge ist die gesamte Siedlungsfläche der Stadt an die Wasserversorgung angeschlossen. Wasserleitungen durchziehen nahezu das gesamte Straßennetz. Auf den sogenannten Wassertrassen vom Wasserwerk Friedrichshagen zu den Zwischenpumpwerken Lichtenberg und Lindenberg, wird das Trinkwasser für die gesamte östliche Innenstadt und für die Großsiedlungen in Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf in mehreren parallel verlaufenden Hauptleitungen herangeführt.

3.1.5. Abwasserentsorgung und Regenwasserableitung

Im Innenstadtbereich wurde von 1873 an (nach James Hobrecht) ein Mischkanalisationssystem angelegt, in dem Schmutzwasser von Haushalten, Gewerbe und Industrie sowie Regenwasser von Straßen und Grundstücken in einem gemeinsamen Kanalsystem gesammelt wird und als Mischwasser im freien Gefälle (wegen des Berliner "Urstrom Tal") zu den Pumpwerken und Aufbereitungsanlagen strömt. Die übrigen Bereiche werden über Trennkanalisationssysteme entwässert, speziell die Berliner Außenbezirke. Hierbei laufen Abwasser und Niederschlagswasser getrennt in Schmutzwasser- und Regenwasserkanälen (Entsanden ab 1890).

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3.2. Hellersdorf - Möglichkeiten der Versorgung des Gutes

3.2.1. Erläuterung über die Verknüpfung der Ver- und Entsorgungshauptleitungen in Hellersdorf mit dem Gut

Der südlich vom Gut gelegene Kanal dient der Regenwasserableitung. Gesondert befindet sich im selben Bereich ein Schmutzwasserkanal. Die Kanäle verlaufen entlang der Stendaler, Senftenberger und Spremberger Straße, sowie entlang der U-Bahn Strecke.
Die Wasserversorgung der Haushalte erfolgt über mehrere Hauptleitungen im Bereich der U-Bahnstrecke sowie entlang der Stendaler Straße.

3.2.2. Anschlussmöglichkeit an die Fernwärme- und Gasversorgung

Im Nordosten vom Gut gelegen, im Bereich der Gothaer und Neuruppiner Straße, verläuft eine Fernwärmefreileitung. Laut dem Stadtentwicklungsplan Ver- und Entsorgung, ist der gesamte Bereich im und um das Gut herum, als mit Fernwärme versorgter Bereich ausgewiesen. Dieses konnte jedoch nach Begehung nicht bestätigt werden, da es kein Kartenmaterial über die unterirdischen Leitungssysteme im Bereich des Gutes gibt.
Südlich der U-Bahn-Strecke ist das Gebiet bereits mit Gasanschlüssen versorgt. Eine Anbindung an den Guts- Bereich und der näheren Umgebung wären möglich. Der Ausbau in Richtung Norden findet teilweise bereits statt.

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3.3. Das Gut Hellersdorf - Darstellung und Erläuterung über den Bestand der technischen Infrastruktur

Im Eingangsbereich zum Gut, auf der Alt-Hellersdorfer Straße, befindet sich ein Trafohaus, das der Versorgung des Gutes mit Elektrizität dient. Die einzelnen Gebäude, sowie die Laternen auf dem Gut, werden über Freileitungen mit Strom versorgt. Auf dem Gut selber ist im Gebäude 4 (Nummerierung der Gebäude, siehe Skizze) ein großes Öl - Tanklager mit einem Heizgenerator. Rohrleitungen, die eine Wärmezufuhr ermöglichen, verknüpfen dieses Gebäude mit einigen umliegenden (Gebäude 5, 6, 13 und 13a). Weitere Wärmegeneratoren befinden sich im Bereich der Gebäude 1 und 3.
Der gesamte Gutsbereich ist an die Telekommunikation angeschlossen.


Grafik: E. Brommer

Gut Hellersdorf: Lageskizze und Gebäudenumerierung

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4.Mängel und Potenziale

Im Folgenden werden festgestellte Mängel und Potenziale im Gut Hellersdorf und Umgebung aufgezählt. Aus diesen sind abschließend die Ziele und Sofortmaßnahmen (Punkt D.5.) entstanden.

4.1.Mängel
Städtebauliche "Schandflecke"

  • z.B. leerstehende Kitagebäude
  • Schlechte Versorgung mit Jugendfreizeitstätten im gesamten Gebiet
  • Bolzplätze liegen in den Innenhöfen = Lärm!
  • Kulturelle Unterversorgung im Gebiet (und auch in Hellersdorf)
  • Abgrenzung des Gutes von der Umgebung (schlechte Voraussetzung für Verbesserung der infrastrukturellen Versorgung)
  • desolater Zustand der technischen Infrastruktur auf dem Gut (insbesondere Strom- und Wasserleitungen)
  • keine Anbindung des Gutes an zentrales Berliner Wärme- und Gasnetz

4.2.Potenziale

  • Planungspotenzial der leerstehenden Gebäude
  • Die "gestalteten" Spielplätze und Innenhöfe
  • Gute Versorgung mit Kitas und Schulen in der Nähe des Wohnbereichs (Standortfaktor für allein erziehende oder Familien)
  • Nähe des Gutes zu Wohnstandorten (gute Voraussetzungen für mögliche Nutzbarkeit des Gutes zu kulturellen oder sozialen Zwecken)
  • Der Bereich des Gutes ist mit Strom, Wasser, Ver- und Entsorgungsleitungen ausgelegt
  • Nordwestlich vom Gut verläuft eine Hauptfernwärmeleitung. Der Bereich um das Gut ist mit Fernwärme abgedeckt (eine Anbindung des Gutes wäre möglich)
  • Im Südosten vom Gut entstehen Gasanschlüsse (eine Anbindung des Gutes wäre möglich)
(Siehe: 7.12 Anlage Mängel und Potenziale)

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5. Ziele und Sofortmaßnahmen

5.1. Ziele bezüglich des Gutsgeländes

Zunächst sollte man Wegebeziehungen moderat ausbauen, um das Gut aus seiner Isolation zu befreien. Hierbei ist besonders eine Achse zur Hellen Mitte notwendig. Weiterhin müssen die technische Voraussetzungen für eine Nutzung geschaffen werden (bessere technische Infrastruktur). Die Nutzung des Gutes sollte zur besseren Versorgung der Bevölkerung mit sozialen bzw. kulturellen Einrichtungen dienen.

Das Beispiel Kinderbauernhof 65 am Görlitzer Park in Kreuzberg ist eine ebenfalls sehr gut geeignete Möglichkeit, das Gutsgelände attraktiver zu gestalten, zumal es hier an pädagogisch betreuten Spielplätzen (PBS) mangelt.

5.2. Ziele bezüglich des gesamten Gebiets

Zunächst sollte man alle leerstehenden Gebäude (z.B. Kitas) wieder mit Funktionen füllen - z.B. zu kulturellen Zwecken. Somit könnte man einige Defizite beseitigen. Die Wohnumfeldgestaltung muss dringend weitergeführt werden sowie muss das mangelnde Sportangebot z.B. durch eine Schwimmhalle und weiteren Sportmöglichkeiten bereichert werden.

5.3. Sofortmaßnahmen

Als kostengünstige und unproblematische Sofortmaßnahmen sollte man zunächst den Zaun des Gutes abreißen und somit das Gut aus der Isolation befreien. Weiterhin wäre es sehr hilfreich, wenn man zum Beispiel den Wochenmarkt von Hellersdorf auf das Gutsgelände verlegt, um so die Bevölkerung auf das Gut aufmerksam zu machen. Auch weitere Ereignisse wie Stadtteilfest oder Informationsveranstaltungen könnten dort initiiert werden.

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6. Quellenverzeichnis

49Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie, Ausstattung
der Berliner Bezirke mit sozialer Infrastruktur 1996, Berlin 1998, S. 5.
50Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr, Rundschreiben zur Infrastruktur
planung, Berlin 1998, S. 1.
51Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr, Rundschreiben zur Infrastruktur
planung, Berlin 1998, Anlage 3.
52Jugendfreizeiteinrichtungen und pädagogisch betreute Spielplätze öffentlicher Träger
und freier Träger mit öffentlicher Förderung
53Stadtbüro Hunger, Städtebauliche Rahmenplanung Großsiedlung Hellersdorf, Berlin
1994, S. 125.
54Stadtbüro Hunger, Städtebauliche Rahmenplanung Großsiedlung Hellersdorf, Berlin
1994, S. 125.
55Jugendfreizeiteinrichtungen und pädagogisch betreute Spielplätze öffentlicher Träger
und freier Träger mit öffentlicher Förderung
56Fr. Heinrich, Angestellte im Stadtplanungsamt Hellersdorf, Gespräch vom 14.12.2000.
57Eigene Darstellung nach Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und
Technologie, Ausstattung der Berliner Bezirke mit sozialer Infrastruktur 1996, Berlin
1998, S. 28-81.
58Stadtbüro Hunger, Städtebauliche Rahmenplanung Großsiedlung Hellersdorf, Berlin
1994, S. 147.
59Fr. Heinrich, Angestellte im Stadtplanungsamt Hellersdorf, Gespräch vom 14.12.2000.
60Fr. Heinrich, Angestellte im Stadtplanungsamt Hellersdorf, Gespräch vom 14.12.2000.

6119.12.2000 http://www.berlin.de/home/Land/BAs/Hellersdorf/.
6219.12.2000 http://www.berlin.de/home/Land/BAs/Hellersdorf/.
63Stadtbüro Hunger, Städtebauliche Rahmenplanung Großsiedlung Hellersdorf, Berlin
1994, S. 154.
64Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Stadtentwicklungsplan
Ver- und Entsorgung, 1998
65vgl.: www.hellersdorf2000.de/hell2000/cont0069/baustein.htm. Seite 18; 23.11.00

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7. Literaturangaben

Bezirksamt Hellersdorf von Berlin (Hrsg.), Jahresgesundheitsbericht 1998 (II), Heft 19, Berlin 1999.

Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr, Rundschreiben zur Infrastrukturplanung, Berlin 1998.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie (Hrsg.), Ausstattung der Berliner Bezirke mit sozialer Infrastruktur 1996, Berlin 1998.

Stadtbüro Hunger, Städtebauliche Rahmenplanung Großsiedlung Hellersdorf, Berlin 1994.

Fr. Heinrich, Angestellte im Stadtplanungsamt Hellersdorf, Gespräch vom 14.12.2000.

http://www.berlin.de/home/Land/BAs/Hellersdorf/ vom 19.12.2000.

http://www.hellersdorf2000.de/hell2000/cont0069/baustein.htm.

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