FVL-Workshop für Dozenten und Betreuer von asynchronen Internetseminaren
Heike Mielke

Neben den rein organisatorischen und technischen, sind es gerade die didaktischen Besonderheiten, die konventionelle Seminare von Internetseminaren unterscheiden, die obendrein nicht synchron geführt werden. Und natürlich beschäftigen sich damit vor allem solche Dozenten, die das Stehpult zum ersten Mal durch die Tastatur ersetzen, um ein webbasiertes Seminar zu leiten: Wie geht man nun als Dozent in ein 12-wöchiges-Internetseminar? Wie verändert elektronische Kommunikation die Rolle einer Lehrkraft im Seminar? Was tun, wenn der Startschuss schon vor Tagen gefallen ist, ohne dass Diskussionsbeiträge von den Teilnehmern ankommen? Sollte der Dozent lieber die aufkommende Nervosität unterdrücken oder Drohungen auffahren? Besser ist, Ruhe bewahren: Vielleicht ist die Wochenthese unverständlich oder es warten einfach alle auf jemanden, der den Anfang macht? Oder, hat die Technik versagt? Wann und vor allem wie sollte ein Dozent überhaupt eingreifen? Was tun, wenn die Diskussion erlahmt oder gar brenzlig wird? Wie moderiert man aus der Ferne ein Seminar, noch dazu, wenn unangemessen provokante Teilnehmer Mut fassen? Und wie intensiv muss ein Dozent den Seminarverlauf verfolgen? Es heißt, die Betreuung inklusive Vor- und Nachbereitung seien wesentlich aufwändiger und zeitintensiver...
Welche Entlohnungsmodelle kommen in Frage? Kann man so ein Seminar zwischenzeitlich auch für ein paar Tage unterbrechen, weil Ostern oder eine Klausur in einem anderen Studienfach über die Seminarteilnehmer "hereinbricht".
Nahezu jede Frage hätte einen eigenen Workshop verdient, dennoch musste ein Tag reichen, um darüber mit den internetseminarerfahrenen Dozenten Prof. Kramer Ph. D. und Prof. Dr. Wagner zu debattieren, Gedanken und Ansichten auszutauschen. Dazu trafen sich im Herbst vergangenen Jahres Dozenten, Studienbriefautoren, Mitglieder des FVL-Fachausschusses "Sozialmanagement" / "Öffentliches Dienstleistungsmanagement" und Interessenten verschiedener Hochschulen zu einem ersten Workshop. Die meisten Fragen konnten dann auch erschöpfend beantwortet und Unsicherheiten im Umgang mit dem neuen Seminar-Medium und dem Programm diskutiert werden.
Gewiss ist, dass asynchrone Internetseminare - besonders durch ihre Flexibilität in Zeit und Raum - enorme Vorteile für Fernstudierende haben können - vorausgesetzt sie verfügen über anspruchsvolle Inhalte und genügend Motivationsmasse für alle Seiten. Gewiss ist auch, dass nicht nur Studierende in solchen Seminaren lernen können, sondern auch Dozenten. Häufig haben sich interessante Debatten in konventionellen Seminaren schon verflüchtigt, bevor ein Student die Tür schließen kann. Haben die Studierenden im Seminar dagegen das Internet dabei, werden Diskussionsbeiträge schwarz auf weiß dokumentiert. Ein "Das-hab'-ich-so-nicht-gesagt" ist absurd. Und krumme Beweislagen sind noch eher erschüttert oder auch mit zusätzlichen Informationen begradigt als gemeinhin Tinte trocknen würde. Das heißt, hier haben Studierende und Dozenten die enormen Datenmengen des Internet in der Hinterhand, sie können sofort effektiv recherchieren, was immer offen, fragwürdig oder einfach nur interessant genug ist.
Als seinerzeit die Software konzipiert wurde, stand fest: Sie sollte so funktionell wie möglich, aber dennoch einfach und selbstverständlich benutzerfreundlich sein. Vor allem in Hinblick auf die betreuenden Dozenten, war klar: Der Umgang mit der neuen Seminartechnologie durfte auf keinen Fall von vornherein durch unnötige technische Hemmschwellen erschwert werden. Das war neben der speziellen Seminar-Funktionalität die entscheidende Aufgabe für die Programmierer vom Medienzentrum Helliwood - unseres Partner-Providers fjs. Inzwischen läuft die Beta-Version der so genannten "Seminarmaschine" im Dauertest: Sie wird derzeit von einer Seminargruppe zweier kooperierender Hochschulen (TFH Wildau und FHVR Berlin) in deren erstem Internetseminar erprobt. An drei weiteren Hochschulen findet das erste FVL-Internetseminar von Mitte März bis Mitte Juni statt. Zurzeit betreut Prof. Dr. Wagner, der neben Prof. Kramer Ph. D. mit zum Entwicklerteam und zum FVL-Fachausschuss "Sozialmanagement" / "Öffentliches Dienstleistungsmanagement" gehört, die ersten FVL-Internetseminare. Doch es ist schon absehbar, dass die Seminarmaschine auch in anderen Studiengängen sowohl im Direktstudium als auch im Fernstudium vor quasi "unerfahrenen" Dozenten ihren Test bestehen muss.
Für alle die nachlesen möchten, was die Grundlage des ersten Dozenten-Workshops war: Die beiden einleitenden Vorträge von Kramer und Wagner, die auf Analysen, Trendbeobachtungen, didaktischen Überlegungen und nicht zuletzt praktischen Erfahrungen beruhen, sind auf einer CD-ROM für Dozenten abgelegt, die Sie über die Fernstudienagentur des FVL beziehen können. Enthalten ist auch ein Video vom Workshop sowie einzelne Vortragssequenzen zu besonderen Internetseminar-Situationen.
Alle interessierten Dozenten haben auch die Möglichkeit, sich auf www.comeniuscape.de einzuloggen und in ein Beispielseminar zu schauen. Hier können Sie die wesentlichen Funktionen, die einem Dozenten zur Verfügung stehen, kennen lernen und ausprobieren. Die authentischen FVL Internetseminare sind allerdings nicht von außen einsehbar.
Sollten sich beim Testen im Beispielseminar oder darüber hinaus Fragen ergeben, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung: Über die Lizenzgebühren und -vereinbarungen informiert Sie die Fernstudienagentur des FVL. Hier können Sie auch Näheres zu den Seminar-Inhalten (Thesen, Links und spezielle Zusatzaufgaben) der o. g. Studiengänge erfahren und bekommen bei Bedarf das Angebot zur technischen Betreuung beim Partner-Provider zugeschickt. Autonome Installationen der Seminarsoftware, z. B. auf einem Hochschulserver, sind ab Sommer 2001 möglich. Bei Fragen zu technischen Details wäre der fjs die richtige Adresse - nutzen Sie am besten die Kontaktmöglichkeit auf der rechten Funktionsleiste dieser Website. Bei speziellen Fragen zur Didaktik vermittelt die Fernstudienagentur gern den Kontakt zu ihren Internetseminar-Dozenten.
Übrigens plant die Fernstudienagentur des FVL im Herbst 2001 einen zweiten Workshop für Betreuer dieser Seminarform in Berlin.

© 2001, www.comeniuscape.de

Videoausschnitt
Hier können Sie sich einen Auschnitt des Workshop-Videofilms als Real-Sequenz ansehen.

Zum Betrachten benötigen Sie den kostenlosen Real-Player der Firma real.com.
Im Auftrag des
Fachhochschul-
Fernstudienverbundes der Lšnder